Dagmar Fohl: Alma

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Dagmar Fohl: Alma

Der Hamburger Musiker Aaron Stern und seine Frau Leah haben großes Glück: Im Jahr 1939 erhalten sie Quotennummern für die Einreise in die USA. Doch kurz bevor sie an Bord der „St. Louis“ gehen, setzen bei der Schwangeren frühzeitig die Wehen ein, und das Paar muss seine frischgeborene Tochter Alma bei einem befreundeten Arzt in Deutschland zurücklassen. Auch die Überfahrt verläuft nicht nach Plan: Ursprünglich sollten sie in Havanna auf die Einreisegenehmigung warten, doch dann verweigern sowohl Kuba als auch die USA dem Schiff mit fast 1000 Flüchtlingen die Anlandung. Beide Länder wollen keine Juden mehr aufnehmen. Zwar finden die Sterns zunächst in den Niederlanden Unterschlupf, doch als die Nazis dort einmarschieren, wird das Paar deportiert. Als Cellist wird Aaron in das Auschwitz-Orchester aufgenommen, doch seine Frau überlebt das KZ nicht. Schwer traumatisiert kehrt Aaron nach Kriegsende ins zerstörte Hamburg zurück, um seine Tochter zu suchen.

Möge der Roman etwas bewirken in Zeiten zunehmender Entmenschlichung“, schreibt die Vorsitzende des Auschwitz-Komitees Esther Bejarano im Vorwort zu Dagmar Fohls Buch „Alma“. Die Hamburger Historikerin erzählt mit ihrem sensiblen Roman natürlich eine in der Literatur schon häufig behandelte Geschichte, doch ist es gerade die einfache, sehr nüchterne Sprache ihres Ich-Erzählers Aaron, die „Alma“ so eindringlich macht. Die hierzulande wenig bekannte und diskutierte Tatsache, dass Kuba und die USA so vielen jüdischen Flüchtlingen die Einreise verweigerten, stellt den Bezug zu aktuellen politischen Ereignissen her. „In vielen europäischen Staaten sind Flüchtlinge unerwünscht. Nationalismus und rechte Gesinnung machen sich breit und gefährden die Demokratien. Auch in Deutschland gewinnen rechte Parteien Zulauf“, schreibt Bejarano im Vorwort. Besonders in Zeiten zunehmender Entmenschlichung muss diese Vergangenheit immer und immer wieder erzählt werden. cs

Dagmar Fohl Alma

Gmeiner, 2017, 224 S., 18 Euro

Dagmar Fohl: Alma