Der Ornithologe

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Der Ornithologe

Für den Wald sind keine Gesetze und Normen geformt, man kann kaum weiter sehen als bis zum übernächsten Baum – und was dort lauert, das kann Gefahr sein oder Verlockung. Schon in seinem Melodram „To die like a Man“ (2009) ließ der portugiesische Regisseur João Pedro Rodrigues zwischen Moos und Geäst für einen Moment die Zeit gefrieren. Auch in „Der Ornithologe“ ist der Wald ein transzendenter und utopischer Ort, an dem Regeln, Zwänge, sogar Rationalität außer Kraft gesetzt sind. Wo ließe es sich besser mit seinen Ängsten und Sehnsüchten in Kontakt treten als hier? Ein Vogelkundler trifft in dieser Mischung aus Backpacker-Drama, Rätselmärchen und queerer Umdeutung katholischer Mythen auf Pilgerinnen und Amazonen; er durchkreuzt ein Ritual maskierter Gestalten, und mit einem Hirten erlebt er einen befreienden Fick am Wasser. Rodrigues erzählt von einer doppelten Emanzipation: Der Protagonist löst sich von seinem zivilisierten Ich, der Film selbst von erzählerischer Logik. Und gemeinsam betreten sie wildere, noch nicht determinierte Gefilde, in denen wirkliche Abenteuer wieder möglich sind. sb

Die Spielzeiten von „Der Ornithologe“ gibt es hier.

Der Ornithologe