Die andere Seite der Hoffnung

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Die andere Seite der Hoffnung

Schon in „Le Havre“ (2011) beschäftigte sich der finnische Regisseur Aki Kaurismäki mit dem Thema Flüchtlinge, damals als märchenhafte Ballade. Nun meint es Kaurismäki ernster. Sein neuer Film erzählt parallel die Geschichte des Herrenhemdenverkäufers Waldemar (Sakari Juosmanen) und des syrischen Flüchtlings Khaled (Sherwan Haji), deren Wege sich ganz früh und dann erst später kreuzen. Waldemar wird ein Restaurant aufmachen und Khaled helfen, zu bleiben.

Kaurismäkis kauziges Universum, ein menschenleeres Fantasie-Finnland im 50er-Jahre-Design, scheint für die tagesaktuelle Geschichte des Kriegsflüchtlings im fremden Land nur auf den ersten Blick nicht geeignet. Tatsächlich aber schenkt die stoische, minimalistische Erzählweise des 59-Jährigen dem emotional aufgeladenen Thema eine Ruhe, die gut tut. Ohne die seinen Figuren sonst innewohnende schrullige Lakonie zeigt Kaurismäki Khaleds Aufnahme, Unterbringung und Verwaltung durch das blaugekleidete, graugesichtige  Staatspersonal, das durchsprenkelt ist mit afrikanischen Busfahrern und Behördenangestellten.

Wenn Khaled einer Beamtin seine Fluchtgeschichte erzählt, keimt sogar so etwas wie Realismus auf. Dennoch: wehmütige finnische Schmachtfetzen schmetternde Barden, Neonazis mit handgemalten Schlägertruppnamen auf den Jacken, Barkeeper, die Khaled und seinem Kumpel erst mal ein Bier spendieren: Im Kosmos Kaurismäki wird die Realität meist auf charmante Weise ignoriert, Nächstenliebe ist hier eine stoische Selbstverständlichkeit, die keiner Erklärung bedarf – höchstens noch einer gemeinsamen Zigarette. Das ist naiv und blauäugig. Aber kann die Welt nicht etwas mehr naiven Humanismus, etwas blauäugige Hoffnung gebrauchen? vs

„Die andere Seite der Hoffnung“ ist ab 1. 9. als DVD und Blu-ray im Handel erhältlich.

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