Die Verführten

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Die Verführten

Das Original

„Die Verführten“ ist sehenswert, doch die stärkere Adaption des Romans von Thomas Cullinnan bleibt Don Siegels Version von 1971: „Betrogen“ machte die Entstehung von geschlechtlich konnotierten Machtverhältnissen nachvollziehbarer, während er zugleich die politische Komponente stärker akzentuierte – in den spärlich beleuchteten Fluren und Sälen des Südstaaten-Pensionats setzte sich auch der ansonsten nur durch Hintergrundgrollen bemerkbare amerikanische Bürgerkrieg fort. Außerdem hatte Siegels Film einen zwingenden Besetzungsclou: Den verwundeten Soldaten, der in dem Gemäuer Zuflucht sucht, spielte Clint Eastwood, der in „Betrogen“ sein Macho-Image dekonstruierte.

Der Schwesterfilm

Mit „Die Verführten“ schließt Sofia Coppola den Kreis zu ihrem Erstlingswerk „The Virgin Suicides“ (siehe Foto) – zwei elegische Stimmungsfilme mit Kirsten Dunst, die sich um Mädchenkollektive drehen: In Coppolas Debüt werden fünf Schwestern von der gesellschaftlichen Erwartungshaltung an ihre Sexualität und ans Frausein an sich erdrückt, in „Die Verführten“ dient ein Mädchenpensionat im Jahr 1864 als Safe Space vor dem Sezessionskrieg. Während die scheiternde Revolte in „The Virgin Suicides“ nur die Ausflucht in den Tod zuließ, führen die Machtverschiebungen in Coppolas neuem Film nun zum Empowerment.

Die Familie

Gibt es überhaupt jemanden im Coppola-Clan, der noch nichts mit Film zu tun hatte? Francis Ford Coppola schuf Klassiker wie „Der Pate“ und „Apocalypse now“, seine Ehefrau Eleanor ist ebenfalls Regisseurin („Paris kann warten“); Sohn Roman ging 2012 unter die Filmemacher („Charlies Welt“), ein Jahr später drehte Enkelin Gia mit „Palo Alto“ ein bemerkenswertes Debüt. Auch Neffe Christopher dreht mäßig erfolgreich, aber beständig Filme – und über dessen Bruder Nicolas Cage muss man wohl keine Worte verlieren. Zum Klingen bringt den Namen heute aber vor allem Tochter Sofia Coppola: Als Regisseurin besitzt sie beinahe Popstarstatus, für „Die Verführten“ erhielt sie als zweite Frau überhaupt den Regiepreis des Filmfestivals von Cannes. Den übrigens hat sie allen anderen Familienmitgliedern voraus.

Die Themen

Ihre Affinität zur Mode verarbeitete Sofia Coppola 2006 im barocken Popfilm „Marie Antoinette“, der die französische Königin zur Vorläuferin heutiger It-Girls stilisierte – denen sie später mit „The Bling Ring“, in dem Teenager in die Villen von Paris Hilton und Co. einbrechen, tatsächlich einen Film widmete. Zwei Blicke in goldene Käfige, einer von innen, einer von außen. Beide Filme mussten sich den Vorwurf der Oberflächlichkeit gefallen lassen, doch auch durch sie ziehen sich die roten Fäden von Coppolas autobiografisch gefärbter Filmografie: die Beengungen des Ruhms, gesellschaftliche Gefängnisse.

Die Karriere

Natürlich hat Coppola von ihrem Namen profitiert, doch barg das Etikett „Tochter von“ in der männerzentrierten Filmwelt auch Nachteile: Für Nebenrollen in Filmen ihres Vaters erntete Coppola Häme, gekrönt von zwei Auszeichnungen mit dem Antipreis Goldene Himbeere für ihren Part in „Der Pate III“. Es war die richtige Entscheidung, erst mal die Reißleine zu ziehen und in Japan ein Modeunternehmen zu gründen – vor allem, weil ihre Erfahrungen als Amerikanerin allein in Tokio 2003 zum Durchbruch mit „Lost in Translation“ führten.

Texte: sb

Die Verführten