Figure Humaine: Elbphilharmonie Hamburg

Die besten Theaterstücke
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Figure Humaine: Elbphilharmonie Hamburg
Foto: © Bernd Uhlig

Ja, die Elbphilharmonie ist ein Konzertsaal und entsprechend ungeeignet für Darstellende Kunst. Was aber Darstellende Kunst kann: Räume erobern, auch und gerade Räume, die gar nicht dafür geeignet scheinen. Also ist es schon wieder folgerichtig, dass die Eröffnung der Elbphilharmonie nicht von einem Orchester durchgeführt wird (Musik wird es in der Folge noch mehr als genug geben), sondern von der bedeutendsten deutschen Choreografin seit Pina Bausch.

Sasha Waltz und ihre Compagnie bespielen die Foyers des Prachtbaus mit einer Choreografie zu Francis Poulencs Chorwerk „Figure humaine“, das erinnert ein wenig an die Arbeiten dieser Künstlerin zur Eröffnung des Neuen Museums in Berlin und stört zudem mit einem dekorativen Beigeschmack, andererseits: Die Kunst erobert ein Haus für sich, das ist ein schöner Gedanke jenseits von Stadtmarketing und Leuchtturmkultur. Einzig die Tatsache, dass zur Eröffnung eines für Hamburg immens wichtigen Gebäudes ausgerechnet eine Choreografin, die stark mit Berlin verbunden ist, engagiert wird, verstimmt ein wenig.

Dafür wird man belohnt mit einem Stück, das einerseits das Gebäude tatsächlich für die Kunst in Besitz nimmt, in köperlicher Unmittelbarkeit, andererseits den hohen Ton dieser Übernahme immer wieder mit streckenweise derbem Humor bricht. Und selbst das Problem, dass aus rechtlichen Gründen vor der offiziellen Eröffnung am 11. Januar keine Musik im Großen Saal erklingen darf, wird umgangen: Gespielt wird John Cages Komposition „4:33“, viereinhalb Minuten Stille.

Figure Humaine: Elbphilharmonie Hamburg
Foto: © Bernd Uhlig