Future Islands: The far Field

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Future Islands: The far Field

Mit ihrem Synthiepop beschwören die Future Islands auch auf ihrem neuen Album „The far Field“ die ganz großen Gefühle. Zumal es da eine berühmte Kollegin gibt, die Sänger Samuel T. Herring in große Aufregung versetzt.

Sam, mit „Aladdin“, dem Opener eures neuen Albums scheint ihr euch noch mal abzusichern und die Programmatik der Future Islands vorzugeben: Es ist uns mit unserer emotionalen Musik sehr ernst, und da steckt keine Ironie in den Songs.

Samuel T. Herring: Das war nicht mein Plan, aber vermutlich hat sich das unbewusst eingeschrieben. Der Song ist nicht nur die Einladung, sich auf die neue Platte einzulassen, sondern uns ganz generell in unsere Welt zu folgen. Wir stellen unsere Gefühle aus und machen uns verletzlich, um auch unser Publikum dazu zu ermutigen.

Dabei habt ihr den großen Durchbruch nicht zuletzt durch euren Auftritt in der Fernsehshow von David Letterman geschafft, wo sich im Nachhinein viele über deinen Tanzstil lustig gemacht haben.

Herring: Früher hat es mich oft verletzt und verunsichert, wenn wir gelobt wurden, weil wir so wunderbar ironisch und over the top sind. Als wir jetzt mit der neuen Single „Ran“ bei Jimmy Fallon waren, gab es ja auch diese Haltung: Mal sehen, was sie sich jetzt einfallen lassen, um den Erfolg bei Letterman zu toppen. Inzwischen bin ich aber entspannter, weil viele verstanden haben, dass wir uns nicht inszenieren und das wirklich eins zu eins so meinen.

Auch der neue Song „Beauty of the Road“ scheint die zehnjährige Bandgeschichte zu bilanzieren, denn da geht es um die Opfer, die nötig sind, um mit einem zunächst nur mäßig erfolgreichen Musikprojekt durchzuhalten und kontinuierlich zu wachsen.

Herring: Diese Beziehung hat textlich bisher alle unsere Platten geprägt, da sie mein bisher größtes Opfer für die Musik ist. Sie hat mich durch entbehrungsreiche Jahre begleitet und wirklich auch an die Future Islands geglaubt – doch irgendwann hat ihre Kraft nicht mehr gereicht. Der Text bildet das Straucheln angesichts der Frage ab, ob es das wert gewesen ist. Eine endgültige Antwort ist da natürlich erst im Angesicht des eigenen Todes möglich.

War es nach dem großen Erfolg von „Singles“ denn jetzt leichter, zum ersten Mal ohne große Ungewissheiten an einer Platte zu arbeiten?

Herring: Bands, die satt und zufrieden sind, machen keine guten Platten. Deswegen haben wir uns an die schlechteren Zeit erinnert und versucht, alles so wie früher zu machen. Bei „Singles“ waren wir ja zum ersten Mal in einem richtigen Studio, und im Nachhinein ist mir die Platte viel zu sauber und poliert. Jetzt wollten wir trotz der großen Produktion wieder die kleinen Unsauberkeiten integrieren, wegen der die alten Platten so viel Wärme ausstrahlen. Wenn du im Wohnzimmer aufnimmst, landet das Knarzen des Dielenbodens ja quasi automatisch auf der Aufnahme.

Dafür geht ihr inhaltlich an die Extreme. Während „Through the Roses“ sehr explizit Selbstmordgedanken formuliert, folgt direkt darauf „North Star“, der bisher vielleicht optimistischste Song der Future Islands …

Herring: Na klar, eigentlich ist das nur ein Popsong – aber es steckt eine wahre Geschichte dahinter. Ich wollte unbedingt nach Denver, um jemanden zu treffen, in den ich damals verliebt war, aber dann wurde wegen eines Schneesturms mein Anschlussflug gestrichen. Ich hing in einer Zwischenwelt fest, und man sagte mir, ich müsse mich mindestens 36 Stunden gedulden. Also habe ich geschaut, wie ich möglichst nah an mein Ziel komme, bin nach New Mexico geflogen und von dort aus dann am nächsten Morgen mit dem Auto weiter nach Denver. Ich konnte nicht mehr warten, meine Sehnsucht war so groß, dass ich mich wenigstens bewegen musste, und für mich bewahrt dieser wahre Hintergrund den Song davor, kitschig zu sein.

Gibt es zu „Shadows“, deinem Duett mit Debbie Harry, auch so eine romantische Geschichte?

Herring: (lacht) Die steht noch aus. Der Song sollte eigentlich schon auf das letzte Album, nur hatten wir keine geeignete Partnerin gefunden, weil ich für das klassische Duett unbedingt eine Legende wollte. Jetzt schlug unser Produzent John Congleton plötzlich Debbie Harry vor, weil er mit ihr gerade die neue Blondie-Platte gemacht hatte. Sie mochte den Song sofort und hat ihren Part in New York eingesungen, während wir ja in L.A. im Studio waren. Auch wenn es so klingt, als wären wir beide in einem Raum, sind wir uns bislang noch nicht persönlich begegnet. Wenn ich aber daran denke, wie aufgeregt ich war, mit ihr zu mailen, bin ich extrem gespannt, wie sich das erste Treffen für mich anfühlen wird.

Interview: Carsten Schrader

 

Live

21. 3. Berlin

27. 6. Köln

6. 11. Hamburg

8. 11. München

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