Get out

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Get out

Schwiegersohn in spe muss sich den potenziellen Rassismen der Eltern seiner Angebeteten stellen: Die Ausgangssituation ist im Kino schon öfter variiert worden, am prominentesten in der Sidney-Poitier-Komödie „Rat mal, wer zum Essen kommt“, zuletzt im französischen Kassenschlager „Monsieur Claude und seine Töchter“, der die Problematik aber mit einer lapidaren „Irgendwie sind wir doch alle ein bisschen rassistisch“-Konklusion weglachte. „Get out“, das bemerkenswerte Regiedebüt des Schauspielers und Komikers Jordan Peele, wählt einen anderen, folgerichtigen Weg. Er überhöht Rassismuserfahrungen und Segregationsängste zu dem, was sie eigentlich auch sind: purem Horror.

Chris (Daniel Kaluuya) fällt zunächst ein Stein vom Herzen, als ihn Dean (Bradley Whitford) und Missy (Catherine Keener) herzlich in die Arme schließen. Rose (Alison Williams) hatte ihren Eltern nicht erzählt, dass ihr Freund schwarz ist, und schon allein die Tatsache, dass sie es laut Chris hätte tun müssen, sorgt für schwelendes Unbehagen. Doch nach der ersten Erleichterung wird Chris klar, dass in der großbürgerlichen Villa nicht alles mit rechten Dingen zugeht: Nicht nur, dass Dean seine Verbundenheit zu Barack Obama ein paar Mal zu oft – und dazu ungefragt – betont. Die Hausangestellten sind dem Klischee entsprechend schwarz, und speziell Dienstmädchen Georgina (Betty Gabriel) legt eine geradezu roboterhafte Zuvorkommenheit an den Tag.

Wer an diesem Punkt zu wissen glaubt, wohin die Reise geht, liegt vermutlich falsch: Die Armitages sind nicht die Erben der Kolonialisten und Sklavenhalter, welchen Zweck sie aber genau verfolgen, soll an dieser Stelle noch nicht vorweggenommen werden. „Get out“ führt Rollenklischees ebenso ad absurdum wie Genregesetze und gipfelt in einer Pointe, die ein perfides Schlaglicht auf positiven Rassismus wirft, auf die Fortsetzung alter Machstrukturen unter dem Deckmantel des Liberalismus. Peeles Terrorsatire avancierte in den USA bereits zum Überraschungshit – und bringt die Black-Lives-Matter-Debatte damit nicht nur ins Horrorgenre, das sich bisher selten dezidiert mit Rassismus beschäftigte, sondern etabliert sie auch endgültig im Kino-Mainstream. sb

„Get out“ ist als DVD und Blu-ray im Handel erhältlich.

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