Grandbrothers: Open

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Grandbrothers: Open

„Wir wollen nichts verstecken und die technischen Aspekte für uns behalten“, wiegelt Erol Sarp ab. Natürlich weiß der Pianist, dass die Gefahr von Missverständnissen groß ist: Wer ein Konzert der Grandbrothers besucht, könnte meinen, dass da einfach ein Synthie zum Einsatz kommt und mit dem Klavier in einen musikalischen Dialog tritt. Doch das einzigartige Konzept des Duos ist ja gerade, dass wirklich jeder Sound direkt aus dem Flügel kommt: Wenn Sarp die Saiten anschlägt, setzt er zugleich ein komplexes System von elektromechanischen Hämmern in Gang, die den Resonanzkörper des Flügels in ein Percussioninstrument verwandeln – und es sind exakt diese Töne, die von seinem Partner Lukas Vogel in Echtzeit gesampelt, gefiltert und verzerrt werden. „Am Anfang haben wir versucht, mittels einer Kamera auf Leinwand zu zeigen, was da im Inneren des Flügels passiert – aber man kann es auf einer Bildebene nicht richtig transportieren, da die Hämmerchen sehr klein sind und es sich um ganz leichte Stöße handelt“, erläutert Vogel die Tücken der Vermittlung. „So bleibt mir leider nichts anderes übrig, als bei den Ansagen den Erklärbär zu geben.“

Inzwischen hat sich ihr Geheimnis aber auch ziemlich gut rumgesprochen, denn mit ihrem vor zweieinhalb Jahren erschienenen Debütalbum „Dilation“ bekamen die beiden ehemaligen Studenten des Düsseldorfer Instituts für Musik und Medien nicht nur hierzulande viel Aufmerksamkeit, sondern spielten auch europaweit ausverkaufte Shows in Clubs und Konzertsälen. Fürs neue Album „Open“ stellte sich da schon die Frage, ob sie ihr Konzept ausweiten: stärker in die Clubrichtung, vielleicht ein Sänger oder gar ein ganzes Orchester? „All das ist für uns in der Zukunft sehr gut denkbar, aber bei dieser Platte hatten wir das Gefühl, dass die Beschränkung auf den Flügel noch nicht ausgereizt ist“, kommentiert Sarp. Tatsächlich haben die Grandbrothers kompositorisch noch mal zugelegt, Sarps Klavierspiel räumt den Effekten mehr Raum ein, und im Flügel selbst gibt es dann doch noch eine Neuerung: Sie haben Bögen gebaut, die die Klaviersaiten anstreichen, ohne sie zu berühren, und dadurch einen flötenartigen Sound erzeugen. „Inzwischen haben wir Routine, und die Technik ist sehr viel besser als in der Anfangszeit“, sagt Vogel und lacht. „Trotz der Verfeinerungen nehmen wir keinen Lötkolben mehr mit auf die Bühne.“

Carsten Schrader

TOUR

27. 11. Köln

29. 11. Berlin

3. 12. Frankfurt

15. 12. Hamburg

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