Al Bano // Story
Weißes Papier
kulturnews: Herr Bano, so wie Sie auf dem Albumcover posieren, erinnern Sie mich an Danny DeVito, der vor dem Hollywoodschriftzug steht.
Al Bano: Danke, danke. Das ist ein netter Vergleich. Aber ob Sie’s glauben oder nicht: Ich bin 20 Zentimeter größer als er! Uns verbinden die italienischen Wurzeln.
kulturnews: Auf Ihrer neuen Platte frönen Sie den größten italienischen Welthits.
Bano: War das nicht lange überfällig? Ich habe natürlich meine Versionen mit meinem Sound daraus gemacht und mir Duettpartner wie Umberto Tozzi, Toto Cutugno und meine Tochter Cristel Carrisi an die Seite geholt. Ich verbinde mit jedem Song bestimmte Momente in meinem Leben.
kulturnews: Was fällt Ihnen denn bei "Azzurro" von Adriano Celentano ein?
Bano: Von Adriano habe ich mir Mitte der 60er alles abgeguckt. Er war der große Star und ich als junger Sänger Teil seines Programms. Ich gehörte zum Clan Celentano.
kulturnews: Gar nicht bescheiden haben Sie auch "Felicità" auf die Platte gepackt.
Bano: Das ist vergleichbar mit einer Injektion Glück - die Leute wollen das hören.
Doch früher haben es zwei Leute gesungen. Jetzt ist es nur ein Mann.
kulturnews: Vermissen Sie es, nicht mehr zu Romina Power aufschauen zu können?
Bano: Nein. Ich habe ja ein gutes Gedächtnis. Ich stelle mir dann einfach vor, Romina wäre noch da. Ist das nicht romantisch, so etwas ohne jeglichen Zynismus sagen zu können?
kulturnews: In Ihrer Autobiografie widmen Sie Ihrer Ex-Frau aber nur zwei weiße Seiten ...
Bano: Weiß steht für Reinheit! Ich mag keinen Klatsch und habe beim Buchverlag sehr um die weißen Seiten gekämpft.
kulturnews: Ihre erstgeborene Tochter Ylenia ist seit 1994 spurlos verschwunden. Hat Ihnen Ihr katholischer Glaube über diese Zeit geholfen?
Bano: Absolut, ja. Es ist unmöglich, das zu vergessen, aber ich will auch nicht länger zurückschauen. Ich will mich an meinen jungen Kindern erfreuen und der Zukunft entgegensehen.
kulturnews: Wie entspannt Al Bano?
Bano: Auf meinem Weingut in Cellino San Marco, das seit Generationen im Familienbesitz ist. Ich verkaufe mittlerweile 300 000 Flaschen im Jahr und will das ausbauen. Wenn ich mit meinem Traktor über das Land fahre, bin ich wirklich glücklich. Tuk-tuk-tuk - ich liebe dieses Sound. Ein Ferarri klingt dagegen wie Krach für mich.
The Great Italian Songbook ist am 29. Oktober erschienen.
28.10.2010







