Platten // Review

Pop noir
Erscheintermin 28.8.2009
Cargo
Medium CD
Ohne Scott Walker gäbe es wohl And Also The Trees nicht - und ohne sie klänge die Verzweiflungsromantik einer Band wie Woven Hand anders. Das seit 30 Jahren aktive britische Trio verbindet den gotischen Strang des Postpunk mit dem Pop noir von heute, nur wissen das zu wenige. Mit dieser akustischen Werkschau gäbe es also was zu entdecken für die seelenverdüsterte Indiejugend. Mit Gitarre, Cello, Bass, manchmal Dulcimer und Melodica tasten AATT sich vor in ihre eigene große Geschichte, ohne freilich jeden sehnlichen Songwunsch zu erfüllen. Simon Huw Jones’ Leidensgesang passt sich auch diesem Ambiente an - sogar wenn ihn seine Kollegen (wie in "Fighting in a Lighthouse") im monotonen Zupfstakkato auf den Balkan zu schicken scheinen. Dass Justin Jones’ Markenzeichen, die mandolinenhafte elektrische Hallgitarre, fehlt, ist konzeptuell bedingt; doch seine im Nick-Drake-Stil tiefergestimmte Akustische transponiert den atmosphärischen Gehalt der Songs in die neue Umgebung. Gleichwohl vermisst man unplugged die umarmende Weite und die Wucht der Gewitterwolken, die stets am Himmel ihres Sounds hingen wie materialisierte Gefahr. Novizen sollten daher eher mit "Virus Meadow" (1986) oder "Listen for The Rag and Bone Man" (2007) anfangen. Danach sind sie eh verloren an eine Band, die ist wie keine andere. (mw)
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