Bücher // Review

Roman
Erscheintermin 08/2005
Piper
Toten Menschen begegnet man in spirituellen Sitzungen oder anderen metaphysischen Zuständen. Helena sieht ihren toten Mann in der Oper, ganz real steht er in der Pause da und flirtet mit anderen Frauen. Sein Aussehen, seine Bewegungen, sein Lachen, alles ist so einmalig, dass es nur Robert sein kann. Noch am Morgen hatte Helena die drei Kinder in seiner alten Skijacke zur Schule gebracht. Zwar ist ihr Alltag durchsetzt von traurigen Erinnerungsmomenten, doch hat sie ihn gut organisiert im Griff. Mit dem ersten Blick aber, den sie auf den Mann wirft, der wie ihr toter Robert ist, und der angeblich bei einem Schiffsunglück umkam, gerät das Leben aus den Fugen. Welche Identität auch hinter dieser Person steckt, sie muss sie ergründen. Man stolpert in diesem Buch über so einige sprachliche Ungeschicktheiten und angestrengt konstruierte Erzählstränge. Dass man dennoch bei der Stange bleibt, liegt zum einen an dem berührenden Unterton, den die Ich-Erzählerin in ihrer zwischen Melancholie und Lebenshunger changierenden Stimmung transportiert. Zum anderen baut sich um die Frage, wer Robert wirklich ist, eine kriminalistische Spannung auf, die ohne Verbrechen auskommt. Am Ende steht der mutige Entschluss, dass eine Halbwahrheit die bessere Grundlage für ein Zusammenleben ist, als ein gelüftetes Geheimnis. Das erinnert dann doch sehr an Literatur-Romanzen - hier mal ohne die Extraportion Sentimentalität. (mt)






