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Herbert Grönemeyer, Tournee, Tourstart, Schiffsverkehr, 2012, Die Orsons, Konzerte
Foto: Stefan Höderath
21.11.2014

Herbert Grönemeyer: Pro BRD, contra Streaming

Wenn man seit 30 Jahren mit jedem Album die Charts getoppt hat, dann gibt es zwei Möglichkeiten: Man spielt straflos den abgehobenen Schnösel, weil es bei dieser Erfolgsbiografie eh egal ist, was die Leute von einem halten.

Oder man tut das, was Herbert Grönemeyer tut: charmant und jovial sein, selbstironisch, bescheiden. So wie bei seiner Albumpräsentation in Berlin. "Ich halte mich für extrem lustig", sagt Grönemeyer, "und weil ich prominent bin, lachen die meisten auch höflich." Ein typischer Grönemeyer-Scherz, über den die Medienmeute nicht nur aus Höflichkeit lacht.

Seine Plattenfirma hat - trunken vor Glück, dass ihr der Star als Beifang einer Übernahme ins Portfolio gespült wurde - rund 250 Journalisten in das an der Spree geladene Edelrestaurant Grill Royal geladen. Hier feiert das Label seine hoffentlich weiterhin verlässlich liefernde Cashcow, mit Schampus satt und einem fliegenden Dinner mit Ceviche vom Ostseedorsch und karamellisiertem Ziegenkäse.

Herbert Grönemeyers neues Album heißt "Dauernd jetzt" und erinnert mit seinem hübsch paradoxen Titelwortspiel an seinen 1998er-Bestseller "Bleibt alles anders". Die Platte ist auf bewährtem Grönemeyer-Niveau. Der Mann raunt und schreit, wird binnen Sekunden vom heiseren Sprechsänger zum Shouter. Er serviert knackigen Stadionrock, selbst bei den Balladen brummt der Bass unwillig wie ein Bär, den man zu früh aus dem Winterschlaf geholt hat, und sogar ein elektronisches Instrumentalstück ist drauf, das aus Grönemeyers Score für den Agententhriller "A most wanted Man" übrigblieb.

Die Filmproduzenten hatten den atmosphärischen Track nicht verwendet, aber in den USA mit aufs Soundtrackalbum gepackt, wo er prompt die meisten iTunes-Clicks bekam. "Yesssss!", sagt Grönemeyer, habe er triumphierend gezischt, als er das gehört habe. Er grinst über den gelungenen kleinen Coup, weil er ihm beweist, dass man auch mit 58 noch immer richtig liegen kann mit seinen künstlerischen Entscheidungen. Dass er ein Näschen dafür hat, was die Fans wollen.

Vielleicht wollen die Fans sogar ein bisschen sozialdemokratischen Patriotismus. "Dauernd jetzt" enthält jedenfalls auch ein gefühlvolles Fußballlied, er hat es nach dem surrealen 7:1-Sieg des DFB-Teams bei der Weltmeisterschaft gegen Brasilien begonnen und nach dem Finale beendet. Und der Song "Unser Land" feiert nachdenklich die vereinigte Bundesrepublik.

"Wir sind jetzt 25 Jahre alt", sagt Grönemeyer (s. Clip unten), "wir werden langsam erwachsen. Das heißt: Wir müssen uns diesem Land stellen, wir müssen es liebgewinnen, und das ist auch völlig in Ordnung. Nur wenn man etwas mag mit all seinen Macken, dann stellt man sich der Beziehung. Wenn wir begreifen, dass wir Demokraten sind, dann nehmen wir das auch in die Hand, dann stellen wir uns dem, packen es an. Das kann man auch mit Leidenschaft und Freude machen."

Grönemeyer ist der einzige deutsche Solokünstler mit einer Strahlkraft über den deutschsprachigen Raum hinaus. Er weiß, wie heikel das Thema Patriotismus hierzulande ist, wie skeptisch das gerade von links beäugt werden dürfte - aber er weiß auch, dass man das Engagement für sein Land nicht den Rechten überlassen darf, wenn es nicht vor die Hunde gehen soll. Seine Popularität will er nutzen, um für die bundesrepublikanische Demokratie zu werben.

Aber der in Göttingen (und nicht in Bochum!) geborene, seit Jahren zwischen London und Berlin pendelnde Sänger hat auch Feindbilder, zum Beispiel Streamingdienste. "Musik hat einen Wert", bekräftigt Grönemeyer, der es bei seinem nicht unbeträchtlichen Vermögen wahrlich wissen muss. Deshalb gibt er Streamingdiensten wie Spotify einen Korb: "Im Moment ist das noch nicht ausgereift."

Wer also "Dauernd jetzt", das heute erscheint, hören will, muss kaufen - damit das passiert, was seit 30 Jahren immer passiert, wenn Herbert Grönemeyer ein Album auf den Markt bringt: Er toppt damit die Charts.

Text und Video: Matthias Wagner


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