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kulturnews-Award: Die Besten 2012

Beste Platte

1. Lana Del Rey: Born to die (Universal)
2. Norah Jones: Little broken Hearts (Blue Note)
3. Bob Dylan: Tempest (Columbia)

Für viele war (und ist) Lana Del Rey ein Kunstprodukt, ein clever kreiertes Sternchen, das schnell wieder verglühen wird. Die Zeitschrift uMag hielt sie gar für „Mausi Lugner als It-Girl“. Wer die sehnsuchtsvollen Retroballaden ihres Debütalbums „Born to die“ hört, wird sich ihrer stilvollen Melancholie allerdings für eine ganze Weile nicht mehr entziehen können. Und seit wir wissen, dass die 26-jährige New Yorkerin den unvergleichlich großen Dichter Vladimir Nabokov so sehr liebt, dass sie sich seinen Namen auf den Arm tätowieren ließ, sehen wir sie eh mit ganz neuen Augen. Sehr großen und frisch verliebten.

Bester Film

1. Ziemlich beste Freunde (Senator)
2. The Artist (DCM)
3. Skyfall (Sony Pictures)

Eigentlich schon durch den Titel folgerichtig: „Ziemlich beste Freunde“ musste (ziemlich) bester Film werden. Die Geschichte des schwerreichen, aber ganzkörpergelähmten Philippe und seines armen, aber selbstbewussten Pflegers Driss zeigte exemplarisch, wie man durch den Kontakt mit anderen Menschen aus ganz anderen Verhältnissen wachsen kann – und wie viel Spaß die Konfrontation von Contenance (Philippe) und Unverblümtheit (Driss) machen kann. Mit fast neun Millionen Kinobesuchern war der Überraschungshit des Jahres auch der erfolgreichste Film 2012 – und der erfolgreichste französische Film hierzulande seit 1990.

Beste Tournee

Foto: WMG
1. Seeed (Four Artists)
2. Tina Dico (ASS) und Marianne Faithfull (Moderne Welt)

Der Sieger der Tourneensparte ist vielleicht keine Überraschung – aber das Comeback des Jahres ist sie allemal, die erste Seeed-Tour nach langer Bandpause und Soloalben der drei Sänger Dellé, Boundzound und Peter Fox. Und für diejenigen, die noch nicht in den Genuss der Riesensause mit den Berliner „Dancehall Caballeros“ gekommen sind, geht die Tour 2013 zum Glück noch weiter. Den zweiten Platz teilen sich übrigens mit genau gleicher Punktzahl zwei wunderbare Songwriterinnen: die britische Ikone Marianne Faithfull und die Dänin und Wahl-Isländerin Tina Dico.

Bestes Entertainment

1. 20 Jahre GOP (Varieté, GOP Varieté)
2. Ballet Revolución (Tanz, BB Promotion)
3. Rocky – Das Musical (Musical, Stage Entertainment)

Belohnung zum Jubiläum: Erst vor wenigen Wochen feierte das GOP Varieté an seinen fünf Standorten Hannover, Münster, Bad Oeynhausen, Essen und München ausführlich das 20-jährige Bestehen des Mutterhauses in Hannover. Jetzt zeichnet die Branche der Kulturschaffenden die Jubiläumsshow mit dem kulturnews-Award aus. Die GOP Entertainment Group hat mit Produktionen wie „Blue Balance“ Standards gesetzt, wurde aber erst in den letzten Jahren aufgrund ihrer Expansion zum Big Player des Genres. Und sie schaut schon wieder nach vorn: Im kommenden Jahr wird das Varieté in Bremen eröffnet.

Bestes Buch

1. John Irving: In einer Person (Diogenes)
2. Sibylle Berg: Vielen Dank für das Leben (Hanser)
3. Jussi Adler-Olsen: Verachtung (dtv)

John Irving wird gern vorgeworfen, dass bestimmte Motive in seinen Büchern immer wieder vorkommen. Auch in seinem 13. Roman tauchen diese Wiederholungen auf: Ein Ringer hinterlässt einen sehr bleibenden Eindruck, es gibt einen abwesenden Vater, und der Protagonist glaubt, sich zu älteren Frauen hingezogen zu fühlen. Und doch ist die über mehrere Jahrzehnte erzählte Identitätssuche des bisexuellen Helden Billy Abbott im Werk des US-Bestsellerautoren etwas ganz Besonderes: „In einer Person“ markiert Irvings radikalstes Plädoyer für Toleranz – und zeigt dem homophoben Amerika den Mittelfinger.

Bestes Theaterstück

Foto: Matthias Horn
1. Der Kirschgarten (Residenztheater München | Regie: Calixto Bieito)
2. Faust I/Faust II (Schauspiel Frankfurt | Regie: Stefan Pucher/Günter Krämer)
3. Herr Puntila und sein Knecht Matti (Schauspiel Köln | Regie: Herbert Fritsch)

Das nennt man wohl einen eindeutigen Sieger: Tschechows „Der Kirschgarten“ vom Münchner Residenztheater gewinnt den kulturnews-Award 2012 klar vor Goethes gesamtem „Faust“ (Schauspiel Frankfurt) und Brechts „Herr Puntila und sein Knecht Matti“ (Schauspiel Köln). Regisseur Calixto Bieito, in Deutschland vor allem als Opernregisseur bekannt, feiert damit einen durchschlagenden Erfolg im Sprechtheater. Und außerdem ist der „Kirschgarten“ auch eine triumphale Rückkehr des Bayerischen Staatsschauspiels an die Spitze der bundesweiten Theaterszene. Nicht nur Bieito, auch Intendant Martin Kusej kann sich freuen.

Beste Ausstellung

Foto: Falk Schreiber
1. documenta (13) (Diverse Orte, Kassel)
2. Antony Gormley (Deichtorhallen, Hamburg)
3. Gerhard Richter Panorama (Neue Nationalgalerie, Berlin)

Eigentlich war der Sieger klar: Die documenta ist die weltweit bedeutendste Kunstausstellung, punktum. Zwar verschreckte Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev im Vorfeld mit wirren Statements, aber spätestens zur Eröffnung war alle Skepsis verflogen: Die Ausstellung war explizit politisch, voll auf der Höhe der Zeit und nicht zuletzt geprägt von einer überraschenden Poesie – etwa wenn Ryan Gander mit „I need some Meaning I can memorise (The invisible Pull)“ einen Lufthauch als Kunstwerk deklarierte (Foto). Dicht auf den Fersen: Antony Gormley mit seiner Mammutinstallation „Horizon Field“ in Hamburg und die große Gerhard-Richter-Retrospektive in Berlin.

Beste Blu-ray/DVD

1. Ziemlich beste Freunde (Senator)
2. Melancholia (Concorde)
3. Drive (Universum) und Game of Thrones Warner)

Was schon neun Millionen Kinogänger zu Begeisterungsstürmen veranlasste, setzt sich erwartungsgemäß auch auf DVD durch. Die charmante französische Komödie „Ziemlich beste Freunde“ hielt sich seit September wochenlang auf Platz eins der deutschen DVD-Verkaufscharts und ist immer noch mit kurzen Unterbrechungen unter den Top drei zu finden. Folgerichtig wählten auch die Branchenexperten sie zur DVD des Jahres 2012 – mit phänomenalem Vorsprung. Mit umfangreichen Extras zur wahren Lebensgeschichte der beiden ungleichen Freunde Philippe und Driss ist die limitierte Fanedition die erste Wahl.

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