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The Weather Man



Bewertung
Tragikomödie
USA/2005/101 Min.

Regie
Gore Verbinski
Darsteller
Nicolas Cage
Michael Caine
Hope Davis

Start 2.3.2006
Verleih UIP

Eisschollen, die träge hin- und her suppen und aussehen wie gefrorene Rosenblätter, die sich Wärme suchend aneinander schmiegen. Dann geht der Blick nach oben, und man sieht: Wir sind in Chicago, der windigen Stadt, die gerade eine sehr kalte Stadt ist, und in der Wetterfrosch Dave Spritz (Nicolas Cage) genauso umhertreibt wie das Eis auf dem Lake Michigan. Spritz, das soll erfrischend klingen, doch die Wahrheit ist: Spritz ist die Art Loser, die für falsche Vorhersagen mit Fast Food beschmissen wird und dem jeder in gutem Mut geschmissene Schneeball direkt auf den Brillengläsern seiner Ex landet. Seine Tochter: fett und unnahbar, sein Sohn: von einem pädophilen Bewährungshelfer umschwärmt, sein Vater (Michael Caine): unerreichbar in Weisheit und Alter und todkrank. In dieser frostigen Tristesse besteht Gore Verbinski "(Fluch der Karibik") seine Reifeprüfung, und Cage beweist, dass er die ideale Projektionsfläche für Traurigkeit und Fatalismus ist. Unamerikanisch ehrlich geht der Film mit dem Thema Lebenskrise um; ein fast europäischer Realismus unterliegt den unbeholfenen Annäherungen zwischen Dave und seiner Familie. Keine Emotion der Figuren wird für ein paar erzwungene Momente der Harmonie verscherbelt. Immer wieder fährt die Kamera von Phedan Papamichael seitlich an Nicolas Cage vorbei, der in sterilen Räumen regungslos ins Leere starrt, als surfe er durchs seelische Off. Das Leben des Dave Spritz ist wie das Wetter, das er ansagt: Er ist gut darin, souveran und charmant. Aber er hat keine Ahnung, wie es funktioniert. Ständig fragt er seinen Kollegen, warum seine Vorhersagen so oft misslingen. Es sei der Wind, den könne man nicht vorhersagen, antwortet der. Getrieben von kalten kanadischen Winden, einem lukrativen Jobangebot in New York und dem Wunsch, seine Ehe zu kitten, weht der Wettermann ziellos durch die gefrorene Stadt, die schneeweiß bedeckt und eisblau ummantelt ist, wie ein gigantisches, urbanes Tier im Winterschlaf. Kälte ist natürlich die bestimmende Metapher für Spritz’ Unfähigkeit, Gefühle auszudrücken. So sehr er sich auch bemüht - nichts gelingt. "Die schwerere Entscheidung und die richtige Entscheidung sind in der Regel immer dasselbe", rät ihm sein Vater in einem von vielen wunderbaren Sätzen des Films. Zwei andere: "Um etwas zu erhalten, was von Wert ist, muss man Opfer bringen. Leicht ist nichts in der Erwachsenenwelt." Spritz versteht. Und stemmt sich erfolgreich gegen die Windmühlen des Schicksals - wenn sie auch von einem unberechenbaren kanadischen Wind angetrieben werden ... (vs)



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Patrick Salmen

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