James Bond 007: Ein Quantum Trost


Agententhriller
GB//Min.
Regie
Marc Forster
Darsteller
Daniel Craig
Mathieu Almaric
Olga Kurylenko
Start 6.11.2008
Verleih Sony Pictures
Die "Rambo"-Filme sind unter anderem dafür bekannt, dass Sylvester Stallone in jedem Teil nur ein paar Dutzend Sätze spricht. Wortkarger war Action nie. Das könnte sich jetzt ändern, denn Daniel Craig redet im neuen Bond-Film so wenig, dass man fast vermuten könnte, er wurde beim Verfassen des Drehbuchs vergessen. Diese abgespeckte verbale Ebene steht in kompletten Gegensatz zum Vorgänger "Casino Royale", in dem Craig sich unter anderem auch lustvolle Flirts mit Eva Green leistete - die Action war hintenangestellt. "Ein Quantum Trost" scheint die verpassten Schießereien und Explosionen des Vorgängers nachholen zu wollen. Von der ersten Minute an fährt, ballert prügelt, sprintet und tötet Bond sich von Italien über Haiti nach Österreich und wieder nach Italien, um in Bolivien einem Schurken das Handwerk zu legen, der sich des wertvollen Rohstoffs Wasser bemächtigen will und für die Organisation Quantum arbeitet, die Schuld am Tod von Bonds Geliebter Vesper ist. 007 will seinen Auftrag ausführen - und Rache ... Der Film kommt nie zur Ruhe, verschnauft nie, gibt seine ganzen 106 Minutenüber Vollgas. Es gibt kaum Handlung, und wenn es sie gibt, wird sie von den gewollt dramatischen Dialogen und den mit dem groben Pinselstrich gezeichneten Nebenfiguren ruiniert: der schwächliche, blasse Bösewicht (Mathieu Almaric), die bildhübsche Amazone,die wie Bond ebenfalls Rache will (Olga Kurylenko), und zwar am südamerikanischen Ex-Diktator in Tarnuniform. Selbst M (Judi Dench) fungiert nur als Stichwortgeberin mit sauertöpfischer Miene. Marc Forsters Regie ist unstrukturiert, man kann dem, was passiert, nur schwer folgen, verliert immer wieder ob der ruckartigen Handlungssprünge und der halsbrecherischen Wackelkamera in den Actionsequenzen den Überblick. Craig gleicht mehr noch als in "Casino Royale" einem Jäger, der nicht von seinem Opfer ablässt, hat er einmal eine Spur aufgenommen. Er ist zur besessenen, zielgerichteten Maschine geworden, die nur den Auftrag kennt und alles, auch die eigene Persönlichkeit, dafür opfert. Daher gibt es keinen Martini, keine Gimmicks, kein Verweilen an exotischen Schauplätzen, keine Ironie, nicht einmal längere Dialogszenen, die dringend nötige Struktur und Ruhe in den Film bringen würden. Keiner will Autos mit Nano-Technologie und derlei Krimskrams zurück - aber die Marke Bond ganz ohne Bond-Zutaten dreht die Schraube der Neuinterpretation der Figur dann doch zu weit. So wird Bond austauschbar, ist er doch jetzt schon mehr Terrorjäger Jack Bauer oder Ex-Killer Jason Bourne als süffisanter Geheimagent. Man muss diesen Film daher weniger wie den 22. Teil einer langen Reihe betrachten, sondern als zweiten Teil einer Triloge: Im ersten Teil wurde die Hauptfigur Bond neu etabliert und auf eine Reise bzw. erste Mission geschickt. Der zweite Teil, "Ein Quantum Trost", setzt wie bei "Star Wars" und "Der Herr der Ringe" direkt dort an, wo der Vorgänger schloss: Bond muss in eine große Schlacht ziehen, er leidet immer noch an Vespers Tod und jagt die Männer hinter Quantum. Im dritten Teil, der nächsten 007-Folge, wird diese Jagd sehr wahrscheinlich zu einem Ende kommen, Bond wird seine Rache bekommen, Quantum zerstören und wieder ein bisschen mehr der Alte sein. Denn was er braucht, ist keine Revolution, sondern allenfalls eine Reformation. (vs)






