// Filmportal

The International



Bewertung
Thriller
USA/D/2008/118 Min.

Regie
Tom Tykwer
Darsteller
Clive Owen
Naomi Watts
Armin Mueller-Stahl

Start 12.2.2009
Verleih Sony Pictures

"Als mein Autor und ich vor fünf Jahren mit dem Projekt anfingen, wollten wir ein System finden, das innerhalb unserer Gesellschaft relativ unbemerkt mit gigantischen Werten skrupellos und zerstörungswütig operiert", sagt Regisseur Tom Tykwer. "Das trifft natürlich ziemlich oft auf Banken zu." Dass das System infolge der aktuellen Finanzkrise nicht mehr "relativ unbemerkt" operiert, kann "The International" nur zugute kommen: Plötzlich ist der Actionthriller extrem up to date, und Tykwer kann sich in Interviews für ein Auflehnen gegen das bestehende Wirtschaftssystem stark machen. Nicht mehr und nicht weniger tut auch sein Film. "The International" begleitet den Interpol-Agenten Louis Salinger (Clive Owen), der gemeinsam mit Kollegin Eleanor Whitman (Naomi Watts) die Machenschaften einer einflussreichen Bank aufdecken will: Die (im echten Leben bereits 1991 aufgeflogene) BCCI finanziert mit dem Geld ihrer Kunden Kriege und Terroraktionen und ist eine der mächtigsten Institutionen der Welt. Wer nicht mitspielt, wird gekillt, und so stehen auch Salinger und Whitman bald auf der Abschussliste. Salinger jedoch glaubt an Gerechtigkeit: Wenn er die Bank nur auffliegen lassen kann, werden die Verantwortlichen in einem fairen Prozess angeklagt werden. Der Deutsche Wilhelm Wexler (Armin Mueller-Stahl), der als Berater in der obersten Chefetage von BCCI sitzt, raubt ihm diese Illusion. "Es gibt einen Unterschied zwischen Realität und Fiktion", erklärt er. "Fiktion muss logisch sein." Tykwer gelingt es, die räumlichen Dimensionen der schmutzigen Geschäftemacherei klarzumachen - seine Protagonisten jetten von Berlin nach Mailand nach New York nach Paris nach Istanbul, während die Waffenhersteller in China und die -käufer in Afrika sitzen. Dass die grauen Herren der BCCI zwar global agieren, zugleich aber systematisch Einzelleben zerstören, illustriert "The International" auch in seinen Bildern: Weitwinkelaufnahmen aus der Vogelperspektive, in denen Protagonist Salinger als kleiner Punkt die Treppen zur BCCI-Bank hinaufsteigt, wechseln sich ab mit den aus nächster Nähe aufgenommen Bildern einer Hand, die einen mattschwarzen Schalldämpfer auf ein Gewehr schraubt, mit dem kurze Zeit später ein italienischer Politiker getötet wird. Insgesamt leistet Tykwers angestammter Kameramann Frank Griebe ("Lola rennt", "Das Parfum") großartige Arbeit, deren Höhepunkt eine Schießerei im New Yorker Guggenheim-Museum ist; ein blutiges und Minuten andauerndes Duell, bei dem Gut und Böse die sich als Spirale hochschraubenden Etagen rauf und runter jagen. Diese Szene ist es, die am stärksten klar macht: Mag Tykwers Botschaft noch so politisch sein, in erster Linie ist das hier ein Actionthriller. Dementsprechend blubbert Blut aus Schusswunden, läuft Clive Owen im letzten Filmdrittel mit zerfetztem Ohrläppchen herum. Bedauerlicherweise ist Hauptdarsteller Owen der wirkliche Schwachpunkt des Films. Seine "Ich gegen den Rest der Welt"-Miene ist zu starr, sein entschiedener Gang ein bisschen zu forsch, und die Art, wie er seine Anzüge trägt, signalisiert etwas zu plakativ den einsamen Außenseiter. (jul)




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