Friedensschlag
Am Anfang sagen die Sozialarbeiter Sozialarbeitersätze: "Lass das ,,Sie’ weg. Ich bin der Jürgen." Und dann legen sie los. Sie konfrontieren mit verschütteten Gefühlen, bohren den Finger in Wunden, provozieren Reaktionen. Ein Jahr lang begleitet die Dokumentation fünf jugendliche Gewalttäter aus dem Münchener Raum durch ein Resozialisierungsprojekt. Mit geschickt verschränkten Szenen und ohne jeglichen belehrenden Kommentar berichtet Regisseur Gerardo Milsztein von einem schmerzhaften und hochspannenden Heilungsprozess. Man fürchtet sich vor der aggressiven Körperlichkeit dieser jungen Männer, belächelt ihr Selbstmitleid und leidet ob ihres selbstzerstörerischen Verhaltens. Das entwickelt eine Wucht und Dynamik, die den dramatisierenden Soundtrack eigentlich gar nicht nötig hätte. Über kriminelle Jugendliche wird gerne in Extremen diskutiert; man fordert die volle Härte des Gesetzes (Wegsperren!) oder macht sich über windelweiche Sozialpädagogik (Erlebniskreuzfahen in der Karibik) lustig. "Friedensschlag" hingegen bietet eine wohltuend differenzierte Sicht. (arm)








