Sleep tight


Psychothriller
ESP/2011/102 Min.
Regie
Jaume Balagueró
Darsteller
Luis Tosar
Marta Etura
Alberto San Juan
Start 5.7.2012
Verleih Senator
5 Uhr früh, der Wecker schellt. Die junge Frau schläft weiter, der ältere Mann steht auf, duscht und tritt seinen Dienst als Portier an. Eine Paaridylle. Stunden später aber begegnen sich die beiden mit höflicher Distanz - eine geschickt platzierte Irritation, die Regisseur Jaume Balagueró bald erklärt. Denn der Portier ist ein suizidaler Psychopath, der seine Schlüsselgewalt nutzt, um die junge Mieterin allnächtlich zu betäuben und zu missbrauchen. Der Feind in ihrem Bett ... Wie in den beiden "[REC]"-Horrorfilmen definiert Regisseur Jaume Balagueró die Mehrparteienhäuser westlicher Großstädte als Orte des Schreckens. Diesmal aber dekliniert er in Form eines Psychothrillers die Folgen der post privacy durch, und er tut das stilistisch wie dramaturgisch mit großer Raffinesse. Der elegische Stil und die matten Farben illustrieren die mentale Tristesse des Täters ebenso wie der Soundtrack, der stets dessen Gefühlslage folgt - und nur dann rockistisch wird, wenn der Film die Lebenslust des Opfers zeigt. Die Kamera ist selten auf Augenhöhe, ihre zwischen Auf- und Untersicht wechselnden Positionen spiegeln die Phasen der Macht und Ohnmacht des Portiers, die sich auch in der minimalistischen Mimik des großartigen Luis Tosar niederschlagen. Balagueró gelingt so das intensive Porträt eines schüchternen Psychopathen, der sein fehlendes Lebensglück im Unglück anderer sucht. Dazu muss der Portier am Ende sehr weit gehen - und zwei Leben zerstören, ohne sie physisch zu vernichten. "Sleep tight" folgt dem Rhythmus der lautlosen Gewalt der Nächte, der Stalkerbriefe, der anonymen Schikanen, der Begrüßungen am Portierstresen - und ist ein stiller Thriller, den Hollywood bald neu verfilmen dürfte, am besten mit Kevin Spacey in der Hauptrolle. Tosar aber, dessen Gesicht, dessen gezackter Lippenstrich jede Großaufnahme trägt, wird kein US-Star je toppen können. (mw)






