Platten // Review

Kammerjazz
Erscheintermin 1.6.2012
Plattenfirma Alive
Medium CD
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In der Popgeschichte gibt es kaum ein größeres Missverhältnis zwischen Werk und Mythos als bei Nick Drake. Sein Stil, Werk und Wesen waren fragil, unprätentiös, von zarter Beschaffenheit. Sein Nachruhm aber - er starb 1974 mit 26 - ist der eines Säulenheiligen des Folk; man betrachtet ihn und sein schmales Schaffen (drei Alben) mit Ehrfurcht. Ihn zu covern ist gerade deshalb beliebt, auch beim in Holland geborenen und zum Franzosen gewordenen Jazzgitarristen Misja Fitzgerald Michel. Er zäumt das Pferd von hinten auf, spielt Drakes beklemmenden letzten Song "Black eyed Dog" zuerst, in angemessener Intimität. Sein spröder und zugleich wärmender Gitarrenstil ist geprägt von Empathie statt dem Willen zur Virtuosität, und diesen Zugriff teilen auch die Mitspieler Olivier Koundouno (cello), Nicolas Repac (prog), Stargast Meshell Ndegeocello (voc), Hugh Coltman (harm, voc), Florian Monchatre (synth) und Thibaut Mullings (steel g). Die Arrangements schweben zwischen Folk und Jazz, sie interessieren sich nicht für den Säulenheiligen, sondern für den Menschen Drake, der in seiner Zerbrechlichkeit nicht lebenstauglich war. Dieses Album gibt ihm und seinem Werk die Zerbrechlichkeit zurück. (mw)






