Bücher // Review

Roman
Erscheintermin 11/2000
Verlag Klett-Cotta
Seitenzahl 160 S.
Preisvergleich
libri.de EUR 1.95
Hélène Lenoir beherrscht die Kunst des Weglassens. Im ersten Teil ihres Romans lässt sie die Namen weg, im zweiten die Vorgeschichte der Ehe, im dritten den Schluss und durchgehend in allen Dialogen das, was einen Satz zum tausendmal gehörten macht: "- es ist vollkommen idiotisch, einfach absurd, ich habe nichts, ich wollte nicht, er wird mich doch nicht ..." Atemlos reden und denken die Figuren in diesem komplexen Familienporträt, Gesagtes und Gedachtes fließen ineins, hat man schon verraten, wenn man an Verrat nur denkt? Und Britt denkt durchaus daran. Sie denkt ans Ausbrechen aus der Fabrikantenfamilie Casella und ihrem Muster-Leben als Society-Ehefrau und Mutter seiner Kinder, aus dem wir - natürlich - nur Ausschnitte erfahren. Indem sie die Gnadenlosigkeiten des Systems Familie sprachlich abbildet, verhindert Hélène Lenoir, dass ihr Roman eine eindimensionale Emanzipationsgeschichte wird: Alle kommen zu Wort, und das ist so spannend wie quälend. (hm)






