Filme // Review

Drama
D/2008/106 Min.
Regie
Tom Schreiber
Darsteller
August Diehl
Marleyda Soto
Hernán Méndez
Erscheintermin 14.8.2008
Verleih Zorro Film
Medium Kino
August Diehl ist einer der talentiertesten Schauspieler seiner Generation und einer, dem es gelungen ist, schlechte Filme konsequent zu meiden. Auch "Dr. Alemán" wird die Filmografie des 32-Jährigen nicht verunstalten. In dem harten Drama spielt er den Medizinstudenten Marc, der auf der Suche nach Abwechslung und Abenteuern ins kolumbianische Cali zieht, um dort sein praktisches Jahr zu machen. Neugierig streift er durch die Favelas, lernt die pragmatische Kioskbesitzerin Wanda kennen und lieben und operiert zwischendurch in der Notaufnahme Munition aus den Körpern der Mitglieder rivalisierender Banden. Seine Faszination für das Leben auf der Straße führt schließlich dazu, dass Marc selbst zwischen die Fronten gerät. Durch seine Hauptfigur - den Deutschen in der fremden Welt - gelingt es Regisseur Tom Schreiber, die zahlreichen Facetten der Stadt Cali aufzuzeigen; der steril beleuchtete OP-Saal steht in optischem Kontrast zum Schmutz der Straße. Mutig hält Schreiber seine Kamera auch dann noch drauf, wenn das Abenteuer Kolumbien für seinen Protagonisten schon lange zum Horrortrip geworden ist, wenn er zusammengetreten in der Ecke und schließlich neben einer Leiche in einem heruntergekommenen Hotelzimmer liegt. Das große Manko des Films ist überraschenderweise sein Hauptdarsteller. August Diehl spielt gewohnt nüchtern, ruhig, präzise - und genau das irritiert. Es gelingt ihm nicht, in die Haut seiner Figur zu schlüpfen; bis zum Schluss bleibt er der Schauspieler Diehl, der den Medizinstudenten spielt, der eben dieser Student aber definitiv nicht ist. (jul)






