Bücher // Review

Roman
Erscheintermin 04/2008
Verlag Lübbe Audio
Medium Audio-CD
Umfang 6 CDs
Preisvergleich
libri.de EUR 8.00
Benjamin Black ist ein Schwarzseher. Romancier John Banville hat sich das Pseudonym also nicht nur mit fast persiflierender Plattheit, sondern auch als düsteres Omen für seinen ersten Krimi ausgesucht. Allerdings gelingt ihm mit "Nicht frei von Sünde" weder die tiefenpsychologische Literatur, die man von Banville gewohnt ist, noch fertigt er einfach eine spannende Geschichte an. Zu ausufernd erzählt er. Zu unspektakulär. Pathologe Quirke erwischt den hoch angesehenen Gynäkologen Malachy beim Fälschen der Akte einer Verstorbenen. Quirke vertuscht den Vorfall, da Malachys Vater ihn einst aus dem Waisenhaus holte und die Familienehre leiden könnte: Die Tote war Hausmädchen bei Malachy und ist anscheinend bei der Geburt eines Kindes verblutet. Bald plagen Quirke wegen dieses Akts der Loyalität Gewissensbisse, und er versucht auf eigene Faust, mehr über die Sache herauszufinden. Seine Nachforschungen nehmen allerdings nur einen kleinen Teil der gut sieben Stunden Spielzeit des Hörbuchs ein; zu wenig für einen echten Krimi. Für den großen Moralroman, den Banville/Black hier versucht - über Irland und Amerika, über Katholizismus, die Frage, wer Kinder haben darf und wer nicht, über die 50er-Jahre und ihr bürgerliches Patriarchentum -, ist der detektivische Handlungsstrang allerdings ein Störfaktor. Dass die Zerstreuung durchaus auch ein Stilmittel ist und erst am Ende die wahre Ungeheuerlichkeit und das große Ganze zutage treten, dem Hörer seine eigene Unterschätzung der Tragweite um die Ohren fliegt, ist ein psychologisch gelungener Kunstgriff. Richtig gut wird "Nicht frei von Sünde" dadurch aber nicht mehr. (kab)






