// Künstlerportal: Kathrin Röggla / Oliver Grajewski

Bücher // Review

Kathrin Röggla / Oliver Grajewski
Bewertung
Texte
Erscheintermin 10/2009
Verlag starfruit publications
Medium Paperback
Seitenzahl 152 S.
tokio, rückwärtstagebuch

Eine Stadt, die man nicht überblickt. Eine Sprache, die man nicht spricht. Ein soziales System, das man nicht versteht. Tokio: Alptraum, Sehnsuchtsort. Sprachartistin Kathrin Röggla ("wir schlafen nicht", "täglich tobt die dunkelziffer") war in Japan, ließ sich durch die Großstadt treiben, fotografierte, führte Interviews und fand keinen Zugang zur Stadt. "tokio, rückwärtstagebuch" ist ein Tagebuch dieser mehrwöchigen Reise, was einerseits der übliche Tokio-Zugriff ist, auf der anderen Seite aber auch in seinem fragmentarischen Charakter der einzig legitime. Der besondere Kniff Rögglas ist, dass sie das Tagebuch rückwärts laufen lässt, wir starten mit dem Rückflug über Sibirien und enden mit der Ankunft in Japan, das erinnert einerseits an typische Blogarchitektur, andererseits aber an ein westlich und damit in falscher Richtung gelesenes Manga. Der zweite Teil des Bandes besteht aus düsteren Schwarzweiß-Zeichnungen Oliver Grajewskis, die sind nun tatsächlich mangatypisch von hinten nach vorn zu lesen, was zur Folge hat, dass man im Röggla-Rhythmus gefangen Zeichen und Inhalte wahrnimmt, nicht aber Handlung, Bedeutung, Sinn. Es geht hier nicht um ein direktes Sagen, eher um ein Einkreisen von Bedeutungen, womit wir die Unsicherheit von Rögglas Japanbesuch wiederum ziemlich genau nachvollziehen. Am Ende steht ein Glossar, nüchtern, wissenschaftlich, genau. Und damit vollkommen nutzlos für unser Verständnis. (fis)





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