Bücher // Review

Sachbuch
Erscheintermin 04/2011
Verlag Kiepenheuer & Witsch
Medium Hardcover
Seitenzahl 336 S.
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Dave Eggers hat es wieder geschafft. Wie bereits in "Weit gegangen. Das Leben des Valentino Achak Deng" lässt er ein persönliches Schicksal von großen, umfassenden Missständen zeugen. Diesmal im Mittelpunkt: Das von Hurricane Katrina heimgesuchte New Orleans und die dort lebende syrisch-amerikanische Familie Zeitoun, deren Erinnerungen an die Geschehnisse die Grundlage für das Werk bilden. Der gleichermaßen arbeitsame wie sensible Familienvater Abdulrahman und seine liebevolle, emotional engagierte Frau Kathy ließen sich nichts zu Schulden kommen. Dennoch mussten sie während der Zeit der Katastrophe und ihrer Nachwirkungen sowohl von Natur- als auch von Staatsgewalt vieles erdulden. Und diese beiden Gewalten agieren ähnlich willkürlich. Ohne zu werten, ohne zu verurteilen oder künstlich zu dramatisieren, zeigt Eggers eine Stadt am Boden. Er zeigt Militär und Polizei zwischen Rat- und Gesetzlosigkeit, materielles sowie bürokratisches Chaos. Er zeigt Angst, Wut, Verweiflung. Immer wieder flechtet er retrospektive Passagen ein, die familiäre Umstände und Hintergründe erläutern und verleiht seinen Protagonisten somit große Tiefe. "Zeitoun" ist ein Tatsachenbericht, der sich als ebenso fesselnder wie ergreifender Roman liest. Und man könnte einfach froh darüber sein - wenn nicht alles wirklich passiert wäre. (lan)






