Bücher // Review

Roman
Erscheintermin 04/2012
Verlag Kiepenheuer & Witsch
Medium Hardcover
Seitenzahl 256 S.
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Natürlich ist Christian Kracht kein Nazi. Ja, der 45-Jährige beschreibt in "Imperium", wie die historisch verbürgte Figur August Engelhardt um die Jahrhundertwende in die damalige Kolonie Deutsch-Neuguinea reiste, eine krude Philosophie aus Vegetarismus, Zivilisationsflucht und fetischartiger Verehrung der Kokosnuss entwickelte, um am Ende erst wahnsinnig, antisemitisch und schließlich zum Kannibalen zu werden. Ja, Kracht distanziert sich von den Rechtsschwüngen seiner Figur, aber er macht das so ironisch und uneigentlich, dass nie klar wird, was der Autor wirklich denkt. Ja, Kracht ist ein unsicherer Kantonist. Aber ein "Türsteher der rechten Gedanken", wie es der Spiegel in einem umfangreichen Verriss behauptete? Es geht hier immer noch um Literatur. Und mit der hat Kracht schon ausreichend Probleme. Denn: Kracht ist vor allem ein ungemein sicherer Stilist, der aus einer guten Idee schillernde Kunst machen kann. Solch eine Idee hatte er für den Vorgängerroman "Ich werde hier sein, im Sonnenschein und im Schatten": ein Science-Fiction-Krimi, der in einer sozialistischen Schweiz spielt, großartig. In "Imperium" fehlt die große Idee, was bleibt, ist ein wunderbar ironischer Abenteuerroman, in dem ein Wirrkopf porträtiert wird, unterhaltsam und klug und gut zu lesen, inhaltlich aber nicht einmal tauglich als Analyse einer Welt, die nach und nach dem Wahnsinn verfällt. Geschweige denn als rechtes Manifest. (fis)
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