Bücher // Review

Krimi
Erscheintermin 01/2002
Verlag haymon verlag
Seitenzahl 160 S.
Preisvergleich
libri.de EUR 12.50
Der Kriminalroman als Mittel der sozialen Analyse, ein Genreroman als Augenzeugenbericht aus dem Bürgerkrieg. Mit "Herbst der Chimären" schließt Mohammed Moulessehoul, der unter dem weiblichen Pseudonym Yasmina Khadra veröffentlicht, seine Trilogie um Commissaire Brahim Llob ab. Vordergründig eine jederzeit fesselnde, beeindruckend verzahnte und nirgends langweile Krimihandlung, streut der Autor mit einer begnadeten Beiläufigkeit Beurteilungen, Beobachtungen und Analysen über die aktuellen Lage in Algerien ein, ohne dabei jemals das gewählte Feld des Kriminalromans zu verlassen. Llob, ein Todgeweihter, ein korrekter Beamter in einem undurchdringlichen Sumpf, veröffentlicht in seinem Heimatland zudem als Schriftsteller, zunächst (in den Romanen "Morituri" und "Doppelweis") unentdeckt, jetzt entlarvt und sofort vom Dienst suspendiert. "Herbst der Chimären" ist ein Abgesang auf ein mit diesen Un-Strukturen chancenloses Land, in dem die Gewalt den Alltag bestimmt. Ein durch und durch korruptes System, religiös begründeter Bürgerkrieg und Kinder, die als Killer agieren: "frustrierend" ist ein in keiner Weise ausreichendes Wort für das Gefühl, das die Inhalte der Romane hinterlassen. Sprachlich jederzeit brillant, mit überraschenden Wortspielen und Vergleichen, ist diese Trilogie etwas für Literaturliebhaber, die nicht davor zurückschrecken, plastisch gezeigter, brutalster Realität ins Antlitz zu sehen. Übrigens, der Autor musste Algerien vor zwei Jahren selbst verlassen und lebt seither im französischen Exil. (rs)
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