Platten // Review

Shoegazer
Erscheintermin 13.3.2009
Plattenfirma Warner
Medium CD
Die Problemstelle dieser Band um die schottischen Brüder Jim und William Reid lag immer hinterm Schlagzeug. Von 1984 bis 1995 herrschte dort ein ständiges Kommen und Gehen; einer der verschlissenen Drummer hieß Bobby Gillespie, er sang später Primal Scream zu Weltruhm. Diesen interessanten Einblick gestattet uns der ausfaltbare Stammbaum, der dem 4-CD-dicken Set beiliegt und alle 15 (!) Formationen von The Jesus And Mary Chain aufdröselt. Die pralle Box birgt Rares, Bootlegs, Outtakes und Covers (wie "My Girl", "Surfin’ USA" oder Cohens "Tower of Song"); von den 82 Songs war jeder 10. bisher unveröffentlicht. Kein Werk zum Einstieg also, sondern ein Fanfest für alle, die offizielle Alben der Shoegazer- und Noisepioniere längst besitzen. Die Forschungsarbeit der Kompilierer brachte manch halb verschollenes Juwel zutage, daher sollte man nicht an jeden Track Hi-Fi-Ansprüche stellen. Doch das war eh nie wichtig bei einer Band, die es vor allem in der Frühphase genoss, jede aufkeimende Schönheit mit ohrenzerfetzenden Rückkopplungen zu zersägen. Unbedarfte seien also gewarnt: Das sanfte Cover der mit einem tollen 80-Seiten-Booklet glänzenden Box steht im krassen Gegensatz zum oft gewalt(tät)igen Sound. Umso zarter wirken Akustiksongs wie "Teenage Lust". Die Band, die 1999 im Streit zerbrach und 2007 wieder zusammenfand, hat übrigens gerade ein neues Studioalbum in Planung. (mw)






