Filme // Review

Schülerporträt
D/2000/98 Min.
Regie
Marco Petry
Darsteller
Daniel Brühl
Jasmin Schwiers
Niels Bruno Schmidt
Erscheintermin 7.12.2000
Verleih Constantin
Mit welchen Erwartungen geht man in einen deutschen Teeniefilm? Immerhin gibt es das Genre eigentlich gar nicht. Vor "Crazy" waren da nur Pennälerklamotten; das ist gottlob lange her. Die lapidare Grundsätzlichkeit des Titels "Schule" verspricht jedenfalls wenig, und doch hält sie viel. Regisseur und Autor Marco Petry studierte Film in München und ist mit 25 noch nah genug dran an den Schülern seines Films, die in den letzten zwei Wochen vorm Abitur auf schwankenden Brettern balancieren. Zwischen Kindheit und Erwachsensein, zwischen schwärmerischer Liebe und Abgeklärtheit, zwischen Saufen, Kiffen und Klausuren zieht der letzte gemeinsame Frühling dahin; danach werden sie das Kaff verlassen, werden verstreut werden über das Land und die Welt, und manche von ihnen werden sich nie mehr begegnen. Vielleicht schaffen es Sandra und Marcus noch gemeinsame eine Weile, denn ihre Liebe war brüchig und kriegt am Ende gerade noch die Kurve; vielleicht wird aus dem dicken Dirk doch noch was, weil ihn in letzter Sekunde der Klassenstreber abschreiben lässt; und vielleicht wird der Streber doch kein Karrierist, weil ihm just vorm Abi die Freuden von Cannabis und Koitus zuteil werden - wer weiß. Petry erzählt keine spektakulären Geschichten, aber er erzählt sie auf eine Weise und mit Hilfe eines sehr guten Ensembles (darunter Axel Klein, Daniel Brühl und Jasmin Schwiers) so authentisch und dialoggenau, dass auch das Unspannende spannend wird. Die Kamera kreist um die Schüler wie sie selber um das ungewisse Ziel ihres Lebens; sie zoomt sich ran an die Gesichter und entdeckt hinter großmäuliger Selbstgewissheit eine beängstigende Unruhe. Fast überall ist es besser, wo wir nicht sind, sagt der Film - aber nicht ohne Witz und ohne allzu große Dramen, ohne Zeigefinger. Erst der Erfolg von "Crazy" bewog übrigens den Produzenten Bernd Eichinger, Geld in die Verfilmung des (schon drei Jahre alten) Scripts zu stecken. Mit 300 Kopien wird "Schule" darum in die Kinos gepresst. Ein Glücksfall für Petry. Und für ein Genre, das es in Deutschland eigentlich gar nicht gibt. (mw)
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