// Künstlerportal: Henning Mankell

Bücher // Review

Henning Mankell
Bewertung
Roman
Erscheintermin 02/2003
Verlag Zsolnay
Seitenzahl 384 S.

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Tea-Bag

Wir lieben den Mord-Mankell, den Erfinder Kommissar Wallanders, den Retter des sozialkritischen Krimis, den Schriftsteller, der uns weismachen wollte, dass Südschweden die Region mit der weltweilt höchsten Morddichte sei. Und wir schätzen den Afrika-Mankell, der virtuos seinen europäischen Blick auf von Kolonialismus und Imperialismus verwüstete Savannen pflegte. Jetzt aber ist Afrika in Schweden angekommen, in Gestalt der Illegalen Tea-Bag, die vor Bügerkrieg und Folter erst nach Spanien geflohen ist und dann nach Skandinavien, wo man sich für ihr Schicksal interessiert. Wie sie glaubt. Tatsächlich interessiert sich gerade mal Jesper Humlin für sie, ein leicht abgehobener Lyriker, der in einem Anfall von Altruismus einen Literaturkurs für Göteborger Migranten anbietet. Literatur und Realität prallen aufeinander, und was dabei entsteht, ist - Überraschung! - Humor. Von Seite zu Seite wird "Tea-Bag" skurriler, Schweden bevölkert sich mit indischen Taxifahrern, 80-jährigen Telefonsex-Anbieterinnen und, haha, Krimiautoren. Selbstironie kann Mankell aber nun gar nicht, sein Schreiben ist immer bierernst, und wo "Tea-Bag" humorvoll, gar sarkastisch sein will, ächzt die Konstruktion des Romans gewaltig. Dennoch: Vielleicht ist "Tea-Bag" ja die Geburt eines dritten, ironischen Mankells. Und wenn dieser einmal die Meisterschaft seiner beiden anderen Gesichter erlangt, dann nehmen wir die Kinderkrankheiten dieses Quasi-Debüts gern in Kauf. (fis)





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