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Plan B
Foto: Ben Parks

Das Herz eines Rappers

Bis vor kurzem rappte und prügelte sich Ben Drews alias Plan B durch die Londoner Bars - jetzt liefert er die Soulsommerhits des Jahres. Liegt's nur am Antiaggressionskurs?

Von Carsten Schrader

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Für einen HipHopper ist Ben Drew viel zu nett. In weiten Jeans und T-Shirt erinnert der blasse, unrasierte und leicht aufgeschwemmte Musiker zwar an jene britischen Touristen, die sich auf Malle über Sangriaeimer beugen und darauf warten, sich provoziert fühlen zu dürfen. Doch hier auf der Dachterrasse eines Hamburger Hotels lächelt er zur Begrüßung. Der 26-jährige vorbestrafte Londoner offeriert Mineralwasser und rückt immer wieder die geschmacklos designten Gartenmöbel aus der prallen Nachmittagssonne.

Ben Drew scheint erfolgreich an einer Rundumerneuerung zu arbeiten: Vor vier Jahren veröffentlichte er als Plan B sein Debüt "Who needs Action when you got Words", doch auf Platz 30 der britischen Albumcharts war für den grimmigen Sprechgesang definitiv Endstation. Der Nachfolger aber wird auf der Insel bereits als Popsensation des Sommers gefeiert: "The Defamation of Strickland Banks" ist ein waschechtes Soulalbum, mit dem Drew wochenlang die britischen Charts anführte. Plötzlich rotieren auch bei den Radiostationen seine Hitsingles "She said" und "Stay too long", die wie vergessene Motown-Klassiker klingen, und in den dazugehörigen Videos ist Plan B als smarter Soulman im weißen Anzug zu sehen. "Ich fahre total auf diese Vintageklamotten ab, nur mit den engen Anzughosen habe ich immer noch meine Probleme. Schließlich bin ich Baggypants gewohnt", grinst Drew. "Aber ich bin eben ein guter Schauspieler" - und das ist nicht als Scherz gemeint.

Plan B schlüpft in die Haut der fiktiven Figur Strickland Banks und erzählt auf dem Konzeptalbum die Geschichte eines erfolgreichen Soulsängers, der alles verliert, nachdem er für unschuldig im Gefängnis landet. "Ich bin zum Geschichtenerzähler geworden, weil mein erstes Album zu persönlich war", erklärt Banks. "Damals war die Musik für mich eine Therapie, mit der ich ganz konkrete Probleme verarbeitet habe. Doch was nützt es, wenn Jahre später längst verheilte Wunden wieder aufgerissen werden, weil mich etwa ein Journalist auf den Song ,Mama (loves a Crackhead)' anspricht?"

Natürlich kommt bei Drew noch immer viel Autobiografisches vor, doch jetzt hat er die Freiheit, sich jederzeit hinter der erfundenen Geschichte zu verstecken. "Nimm den Song ,Stay too long', da geht es natürlich um mich, auch wenn Strickland Banks vielleicht in etwas andere Bars geht und statt Jack Daniels mit Cola lieber Sekt trinkt", sagt er. "Wenn ich nach meiner ersten Platte beim Trinken von Fremden erkannt wurde, sind meine Freunde schnell gegangen. Aber ich musste immer bleiben und mit meinen neuen Freunden reden", erinnert er. "Weil dabei immer nur über mich geredet wurde, kam schnell der Punkt, an dem die anderen etwas gesagt haben, was mir nicht gefallen hat. Wenn ich dann am nächsten Morgen wieder in einer Zelle aufgewacht bin, habe ich nur gedacht: Scheiße, es ist wieder passiert, weil ich immer zu lange an diesen Orten bleibe." Inzwischen hat er einen Antiaggressionskurs absolviert und schüttelt nur noch den Kopf über sein altes Ego.

Den Wechsel vom HipHop zum Soul sieht Drew aber keineswegs als Teil des Läuterungsprozesses. "Ich bin einfach seit frühester Jugend mit dem Talent gesegnet, herzergreifende Soulsongs schreiben zu können. Auch Reggae kann ich verdammt gut", tönt er - und ist mit dieser Großmäuligkeit dann doch nah dran am Klischeerapper. Auch mit Strickland Banks ist Drew noch lange nicht fertig: 2011 plant er eine großangelegte Verfilmung, ein Album mit dem zweiten Teil der Geschichte ist bereits fast fertig. "Das wird wieder ein HipHop-Album werden, auch wenn meine Plattenfirma nur noch Interesse an Soul hat", sagt er seelenruhig und grinst. "Aber nachdem das letzte Album so erfolgreich war, werden die schon nachgeben und mich nicht vergraulen."

Seine Lektionen in Sachen Aggressionsmanagement hat Plan B eben gelernt.


"The Defamation of Strickland Banks" ist seit Ende Juli 2010 erhältlich.

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