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Incognito
Foto: Edel Germany

Wie der erste Kuss

Keine Band prägte die europäische Clubkultur nachhaltiger als das Londoner Kollektiv Incognito um den Gitarristen Paul "Bluey" Maunick. Ein Rückblick auf 30 Jahre tanzen und lachen.

Interview: Stefan Woldach

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kulturnews: Bluey, erinnerst du dich noch daran, was Labelchef Giles Peterson sagte, als er euch unter Vertrag nahm?
Bluey: Bevor oder nachdem er uns hörte ...? Vorher sagte er mir, dass er wirklich niemand unter Vertrag nehmen könne, er habe genug Bands. Nachdem ich ihm die Songs vorgespielt hatte, sagte er: "Mann, das Zeug ist verdammt heiß! Ruf deine Band zusammen, wir machen ein Album."

kulturnews: Dieses Album hieß "Funk Jazz" und gilt heute als Klassiker des Acidjazz.
Bluey: Ich träumte schon im Studio davon, wie die Leute in den Clubs dazu tanzen würden. Zu der Zeit jobbte ich tagsüber in einer Fabrik. Als ich uns dann erstmals im Radio hörte, bin ich fast geplatzt vor Stolz. Das erste Album ist wie der erste Kuss: den vergisst du dein ganzes Leben nicht.

kulturnews: Incognito haben unzählige Bands beeinflusst. Wieso eigentlich?
Bluey: Weil wir zeitlose Musik machen. Ich war neulich in einem Londoner Club eingeladen. Als der DJ "Parisienne Girl" auflegte, erkundigte sich Jamiroquai, was das für ein Songs sei, kam daraufhin zu mir, umarmte mich und sagte: "Ich kann kaum glauben, dass etwas derart zeitlos klingt, was vor so langer Zeit aufgenommen wurde!" Ein cooles Kompliment. Zweitens hatten wir immer extrem gute Musiker, die ohne weiteres mit Chic Corea oder John McLaughlin hätten arbeiten können. Aber bei uns stand immer die Einfachheit im Vordergrund.

kulturnews: Also Emotionalität statt Virtuosität?
Bluey: Ja. Viele Bands spielen komplizierte Musik nur deshalb, um ein bestimmtes Image zu pflegen. Aber wenn Musik ganz unaffektiert präsentiert wird - als ob du zu Hause was Leckeres kochst - werden die Leute es immer lieben, auch wenn du vielleicht kein Sternemenü servierst. Wir machen keine Musik für Musiker, sondern welche, zu der man tanzen soll. Und lachen.

kulturnews: Was fühlst du beim Blick zurück?
Bluey: Zuerst mal tiefe Dankbarkeit, dass ich ein Leben voller Musik führen darf. Es ist ein Traum für mich, um die Welt zu reisen, auf der Bühne zu stehen, im Studio Songs aufzunehmen. Davon habe ich schon als Kind geträumt.

Transatlantic R.P.M. ist seit Ende Juli 2010 erhältlich.

29.07.2010

Incognito // Review

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