Heinz Strunk // Story
Trennkost, Alk und Rock ’n’ Roll
Interview: Jürgen Wittner
kulturnews: Herr Strunk, wie sieht eine ideale Männerfreundschaft aus?
Strunk: Im Buch fällt ja der Satz, dass man alle Menschen anlügen muss inkl. die eigene Frau oder Freundin, vorausgesetzt man hat Interesse an einer unbeschwerten Beziehung. Grissemann hat das genau nicht. Und das ist vielleicht ein wichtiges von mehreren Merkmalen unserer Männerfreundschaft: dass man unter gar keinen Umständen lügen muss. Eine solche Männerfreundschaft hat eine extreme Verbindlichkeit, ohne dass sie gleich den Druck einer Beziehung ausübt.
kulturnews: Machen Sie immer noch dieses Progressive Ganzkörpertraining mit Eigengewichtsübungen, das Sie im Roman ausführlich schildern?
Strunk: Ja, mach ich, klar!
kulturnews: Respekt. Ist es wirklich so hart, wie es da geschildert wird?
Strunk: Ich finde es eher lustig, vor allem diese martialische Sprache, in der es beschrieben wird. Aber ja, es ist so, sonst braucht man es gleich gar nicht zu machen. Wie gesagt: No Pain - no Game!
kulturnews: Ich halte fest: Progressives Ganzkörpertraining, Trennkost, und Alkoholexzesse strukturieren Ihre Tage im Urlaub. Eine kluge Kombination?
Strunk: Dahinter steckt natürlich das Belohnungsprinzip: Tagsüber sich einigermaßen am Riemen reißen und denn abends total zu saufen. Dafür entstand der schön Begriff: lallend und auf allen Vieren. Grissemann sagt ja auch, er kenne niemanden, dessen Verfall so rasend schnell vonstatten gehe.
kulturnews: Nicht nur Sie verfallen: Wie viel Geld setzen Sie schätzungsweise an einem Abend beim Glücksspiel um?
Strunk: Da werden schon mal 1500 Euro verdaddelt. Aber es gab im Urlaub schon Tage - und ich hab echt Glück gehabt -, wo auch Geld reingekommen ist.
kulturnews: Sie spielen fast nur Automaten. Warum?
Strunk: Black Jack und Roulette haben ja auch eine gewisse soziale Komponente. Und genau die suchen wir gerade nicht. Wir suchen die stumme Zwiesprache mit den Automaten, das stumpf vor einer Maschine Hocken. Es passiert allenfalls mal nach einer Stunde, dass wir uns unterhalten. Deswegen ist es wichtig, dass wir nebeneinander sitzen.
kulturnews: Das kann man kaum mehr Kommunikation nennen, oder?
Strunk: Ich finde, die Anwesenheit des anderen reicht schon.
kultunews: Was haben Sie eigentlich gegen den Schriftsteller Ian McEwan, den Sie im Roman so fertigmachen?
Strunk: Ach, überhaupt nichts. Aber Teile von "Abbitte" sind einfach Literatur, die ich schlicht zum Kotzen finde. Natürlich ist das auch virtuos, und der Mann versteht sein Handwerk, keine Frage. Aber es geht mir am Arsch vorbei. Was mir bei diesen Büchern auffällt, ist ein komplettes, und zwar wirklich komplettes Fehlen jeglichen Humors. Und das gilt für ganz viele Bücher, eigentlich für alle Bücher, die Buchpreis-verdächtig sind. Fast scheint es Grundvoraussetzung zu sein: Um preisverdächtig zu werden, darf ein Buch nicht lustig sein. Ich finde das schade, denn ich halte es mit Botho Strauß, der mal gesagt hat: "Das Tiefste ist seit langem geschrieben, das Unterhaltsamste sicher noch nicht."
2. 2.-15. 4. Deutschlandtournee
23.12.2010







