Andres Veiel // Story
Sex und Terror
Interview: Kay Hoffmann
kulturnews: Herr Veiel, was hat Sie an der Liebesgeschichte von Gudrun Ensslin und Bernhard Vesper gereizt?
Andres Veiel: Weil ich früh vom Theater und anderen Erzählformen geprägt wurde, war der Spielfilm immer eine Option für mich. Bei "Black Box BRD" gab es drei Anläufe, den Stoff dokumentarisch zu erzählen, erst der vierte hat funktioniert. Wenn nicht, hätte ich schon daraus etwas Fiktionales gemacht.
kulturnews: Sie haben für "Wer wenn nicht wir" jahrelang recherchiert. Ist das die Basis für eine möglichst glaubwürdige Darstellung?
Veiel: Spielfilm heißt Verdichtung unter der Beibehaltung einer erzählerischen Komplexität. Ich will innerhalb der Wahrheit einer historischen Figur bleiben. Zu Gudrun Ensslin, Andreas Baader und Bernward Vesper gibt es tausende Erinnerungen, und jeder hat eine andere Projektionsfläche. Ich wähle bestimmte Aspekte aus, es ist meine Wahrheit, die ich destilliert habe. Ziel war, der Geschichte meiner Protagonisten so nahe zu kommen, wie dies vorher kaum jemand geschafft hat.
kulturnews: Im Mittelpunkt steht die Dreiecksgeschichte von Vesper, Ensslin und Baader. Was haben Politik und Liebe gemeinsam?
Veiel: Ich halte es für absurd, dass ein politischer Film nur von Politik erzählen darf. Politik ist nicht zu trennen von den Verhältnissen, in denen wir leben. Es ist kein Zufall, dass sich mit Ensslin und Baader zwei Charaktere trafen, die sich kongenial ergänzt haben. Man muss in das komplette Ursachendickicht reingehen. Da gehört die familiäre Vorgeschichte genauso dazu wie politische Umstände, aber natürlich auch ihre Liebesgeschichte und wie Sex gelebt wurde. Es geht nicht darum, Sex als Sex darzustellen, sondern welche Art von Abhängigkeiten, Notwendigkeiten, Zerstörungen, Hass und Wut miterzählt wird.
"Wer wenn nicht wir" startet am 10. März.
21.02.2011







