// Künstlerportal: Hubert Von Goisern

Hubert Von Goisern // Story

Hubert Von Goisern
Foto: Jürgen Skarwan

Die Tragik des Privaten

Seine Flussreisen und das große „S'Nix“-Projekt haben den 58-jährigen Weltmusiker Hubert von Goisern jede Menge Kraft gekostet. Mit eher kleinem Besteck schiebt er jetzt „Entwederundoder“ nach – und muss sich die Maßstäbe von seiner Tochter zurechtrücken lassen.

Interview: Ron Haller

Gefunden in

kulturnews: Hubert, "Entwederundoder" ist ein ganz unprätenziöses Album geworden und doch ebenso typisch für dich wie alles andere. Hören wir hier den kleinsten gemeinsamen Goisern-Nenner?
Hubert von Goisern: Die letzten Dinge wie das Schiffsprojekt und das Album "S'Nix" waren ja megaopulent, für große Bühnen gedacht, die Kompositionen fast suitenhaft. In all der Zeit habe ich mich persönlich sehr zurückgenommen und eher projektdienlich gearbeitet. Logisch, dass ich danach ein Gegengewicht brauchte. Also sind die neuen Stücke viel intimer und nicht so komplex, dass sie vom Kern ablenken.

kulturnews: Vieles klingt von den Strukturen her vertraut. Ist das trotzdem neues Material?
von Goisern: Ja, ich habe im September 2010 angefangen zu komponieren. Seitdem gab es immer wieder mal Phasen, in denen ich dachte: Nein, das kannst du nicht bringen. Aber dann habe ich gedacht: Du bist alt genug, um dich für nichts mehr schämen zu müssen, was du da machst.

kulturnews: Ein paar Worte zur neuen Band ...
von Goisern: ... die mit Severin Trogbacher, Helmuth Schartlmüller und Alex Pohn die alte ist - bis auf die Mädels von Ganes und den Keyboarder David Lackner, der im Moment erst mal nicht mehr auf Tour gehen wollte, weil er beim ORF zu viel zu tun hat. Ich suche mir die Musiker, die die Tendenz mitbringen, so zu spielen, wie ich es mir vorstelle. Aber sie laufen an der ganz langen Leine. Bei "S'Nix" hat die Band ja mitkomponiert, jetzt war sie in die Arrangements stark eingebunden. Vieles ist dadurch ganz anders geworden, als ich es mir in der Einsamkeit beim Komponieren vorgestellt hatte.

kulturnews: Es gibt eine Instrumentalnummer namens "ÜUOÖ", die vielleicht erklärungsbedürftig ist.
von Goisern: Ja, und die ist auch in der Tat nicht so ganz neu. Es ist so eine Komposition, in der ich mich mit der Ziehharmonika immer wieder wegmeditiere, das mag ich sehr.

kulturnews: Du wirst immer wieder nach neuen Gipfelerstürmungen und Grenzerfahrungen gefragt. Werden deine Ziele mit dem Alter kleiner?
von Goisern: Meine Ziele sind immer von der jeweiligen Schaffensphase abhängig. Wenn ich wie jetzt auf Tour bin, kann ich nicht kreativ sein und gleichzeitig komponieren. Männer sind ja bekannlich nicht multitaskingfähig, und so ist das eben auch bei mir. Aber klar, ich habe Pläne und Träume, dränge aber nicht mehr so darauf, dass immer etwas passieren muss.

kulturnews: Sprichst du lieber über dich oder über den Rest der Welt?
von Goisern: Ich finde die Politik spannender als meine Musik, die sich von selbst erklären sollte und keiner Worte bedarf.

kulturnews: Okay: Amy Winehouse, Eurokrise, Oslo-Terror, Hungerkatastrophen - sind wir noch zu retten?
von Goisern: Na ja, untergehen wird die Welt wohl nicht. Der Tod von Amy Winehouse hat mich wie ein Stich ins Herz getroffen - warum hate sie kein schützendes Umfeld? Meine 18-jährige Tochter meinte: Klar ist das tragisch, aber das wirkliche Problem ist Norwegen. Mein Sohn entgegnete: Somalia ist schlimmer. Ich bleibe dabei: Die wahre Tragik liegt im Privaten, da ist Handlungsbedarf.

kulturnews: Sorry, Hubert, ich muss hier mal unterbrechen. Meine Frau ruft gerade auf der anderen Leitung an - Autopanne!
von Goisern: Ich sag’s doch: Die wahre Tragik liegt im Privaten. Jetzt fahrst da hin und hilfst ihr ... Wir sind hier doch fertig, oder?

Entwederundoder ist Anfang September erschienen.

25.08.2011


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