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Joachim Lottmann // Story

Joachim Lottmann
Foto: © Ela Angerer

Joachim Lottmann, was denken Sie nackt vor dem Spiegel?

Seit wann ist Pop tot, bei welchen Popkonzerten muss man sich übergeben, und weswegen war früher eigentlich alles besser? Autor Joachim Lottmann weiß Antworten.

Interview: Falk Schreiber

Gefunden in

Herr Lottmann, weswegen sollte man unbedingt in Berlin leben?
Man sollte dort nicht leben.

Und weswegen nicht?
Mit allen, die in Berlin leben, geht es mittel- und langfristig bergab.

Ist es schöner, zu hassen oder zu lieben?
Kluge Menschen können gar nicht hassen.

Und ist es schöner, gehasst zu werden, oder geliebt zu werden?
Gehasst zu werden ist schon eine rundum schöne Sache. Es beruhigt. Es ist das größte Kompliment, das die Welt einem machen kann.

Seit wann ist Pop tot?
Seit dem dritten Album von Oasis. Oder dem vierten. Irgendwo dazwischen. Oder auch seit dem Ende der Berliner Love Parade. Oder seit dem 30. Geburtstag von Eminem. Auf jeden Fall seit dem 60. Geburtstag von Madonna. Pardon, war erst der 50ste.

Eine Strophe des Liedermachers Philipp Poisel lautet "Ich will nur, dass du weißt, ich hab' dich immer noch lieb/und dass es für mich keine andere gibt." Wenn ein ganzer Konzertsaal diese Zeilen aus vollem Halse singt, ist es dann nicht so, dass man sich vor Fremdscham am liebsten übergeben möchte?
Ist nicht zu übertreffen an Scheußlichkeit. Auftritte von Madonna kommen da aber inzwischen auch nahe dran.

Ist es unangenehmer, sich für sich selbst zu schämen oder für jemand anderen?
Sich für andere zu schämen ist schlimmer. Etwa für den Altkanzler der Einheit. Das ist furchtbar. Dann lieber selbst was ausfressen.

Warum war früher eigentlich alles besser?
Der Kapitalismus hatte erst angefangen, den Planeten durch den Fleischwolf zu drehen. Inzwischen ist der Prozess in seinem letzten Drittel.

Halten Sie Angela Merkel für einen attraktiven Menschen?
Oh ja. Die Merkelin ist sehr sexy.

Und Sie sich selbst?
Ich bin leider unattraktiv.

Wenn Sie nackt vor dem Spiegel stehen, dann denken Sie nicht: Och, das sieht doch ganz gut aus?
Ich würde mich nie vor den Spiegel stellen, ich bin Hamburger.

Was hat Karl-Theodor zu Guttenberg eigentlich falsch gemacht, dass er so abstoßend rüber kommt?
Er hat alles richtig gemacht. Ein Leben lang hatte ich mich vor der Wehrpflicht gefürchtet, er hat sie binnen Wochen abgeschafft. Seine Frau sieht wirklich geil aus, mit der hat er mächtig Spaß.

Macht einen Ironie unglücklich?
Ironie für oder gegen die Arbeiterklasse? Auf die Richtung kommt es an.

Ganz ernst: Wovor haben Sie Angst?
Ich habe vor nichts Angst. Naja, vielleicht davor, daß meine Frau krank werden könnte. Das wäre wirklich traurig. Aber selbst eigene Krankheiten würden mich nicht schrecken. Ich mag Krankheiten, nur nicht bei geliebten Menschen.

29.09.2011


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