Michael Weins // Story
Sinnsuche mit Special Effects
Interview: Marten Lorenzen
uMag: Michael, wenn dein Held Heiner Boie alias Lazyboy durch Türen geht, wird er regelmäßig an die verschiedensten Orte teleportiert. Für einen gelangweilten Berufsjugendlichen kein schlechter Ausbruch aus dem Alltagstrott, oder?
Michael Weins: Genau, Heiner leidet darunter, dass ihm alles sinnlos erscheint und er keine Aufgabe im Leben hat. Nichts ist ihm wirklich wichtig. Er geht seit Jahren in dieselben Kneipen, trifft die immergleichen Freunde und macht andere runter. Und im Grunde langweilt ihn das ziemlich. Ihm fehlte eine große Aufgabe, die ihm nicht entfremdet oder als irgendwas erscheint, wofür man gleich seine Seele verkaufen müsste.
uMag: Da wäre sie wieder, die gute alte Sinnsuche, die wohl jeden von uns umtreibt ...
Weins: Klar, das Bedürfnis nach etwas Ausfüllendem, etwas persönlich Wichtigem haben wir irgendwie alle. Man löst das häufig künstlich, indem man noch ein Kind bekommt oder den Job wechselt. Oder den Mount Everest besteigt. Menschen suchen oft ziemlich verzweifelt nach etwas, dass ihnen das Gefühl gibt, weiter lebendig im Leben zu stehen und nicht im Trott unterzugehen.
uMag: Braucht es zum Lebendigsein eine große Vision?
Weins: Viele Menschen haben wahrscheinlich die Hoffnung, dass man das Glück in einer Sache findet, und das ist dann der Sinn des Lebens. In Wirklichkeit ist es aber komplexer, denke ich. Man findet seine Aufgaben im Leben auf ganz unterschiedliche Weise. Die meisten vermutlich, indem sie sich von einem Ziel zum nächsten hangeln. Ein Seil ans nächste knoten, immer voran ins Ungewisse. Ständig wird geschaut, wo die nächste spannende Aufgabe ist. Dieser Prozess, immer eine Leerstelle füllen zu wollen, interessiert mich. Und mich interessieren diese hungrigen, sehnsüchtigen Menschen, die mehr wollen.
29.09.2011







