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Madonna // Story

Madonna

Star on 45

Dafür, dass Madonna zurück in die Disco geht, gibt es nur eine Erklärung. Eine psychologische.

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Im August erschütterte eine Schreckensmeldung die Popwelt: Madonna vom Pferd gefallen, an ihrem Geburtstag! Und die englische Krume bereitete der Queen of Pop nicht gerade einen royalen Empfang, sondern hielt hart dagegen. Frau Ritchie brach sich einige Rippen und die Hand, und man musste kein Schelm sein, um Böses zu vermuten.

Denn war dieser Abgang nicht ein erstes, doch umso ernsteres Omen für die anstehende Demission der größten Diva, die der Pop je sah? Denn, sagen wir’s doch offen, Madonna Louise Veronica Ciccone Ritchie ist satte 47. Und in einem Business, das bewusstlos die Jugend feiert, gerät man mit einem 50er-Jahre-Geburtsdatum allmählich unter Senilitätsverdacht - Megastar hin oder her.

Doch die rund 600-Millionen-Dollar schwere Popikone berappelte sich. Knochenbrüche steckt die gelenkige Kabbalistin eben weg wie Gatte Guy den nächsten Filmflop. Und natürlich wurde der kurz nach dem Fall vom Pferd angesetzte Videodreh zur Single "Hung up" nicht verschoben; da blieb die Lady eisern. Von Malaisen ist im Clip auch nichts zu sehen.

Doch warum bloß ist Madonna, die mit Chuzpe, Biss und Tabubrüchen den Popthron bestieg und seit zwei Dekaden verteidigt, noch immer so hart gegen sich selbst? Mit 250 Millionen verkaufter Platten bist du doch eine geschichtliche Figur, und zwar so lang die Menschheit Ohren hat. Du brauchst nie mehr einen Mucks zu tun, geschweige denn invalide durch Videos zu tanzen. Warum also?

Es gibt nur eine Erklärung: Madonna hat Angst.

Sie schaut in ihren Pass, und ihr gruselt’s. Sie war bereits sechs Wochen auf der Welt, als Elvis seinen Militärdienst in Heidelberg antrat, und als sie eingeschult wurde, wussten die Beatles noch nicht mal, wie man "Help!" buchstabiert. Jetzt schreiben wir 2005, und die Diva wird bedrängt von Küken, die ihre Töchter sein könnten.

Also: Madonna hat Angst. Und das erklärt ihr neues Album. Sie, die zuletzt im Rahmen des Pop aufs hässliche Reich der Kunstkacke zusteuerte, will sich nicht mehr von elektroakustischen Bruchstellen den Groove killen lassen. Sie will hüpfen, springen, moschen und das Denken dem Glutaeus maximus überlassen - und Regionen, die noch südlicher liegen. Nein, ihr Album "Confessions on a Dance Floor" bietet keine Musik fürs Radio und keine für die Couch. Sondern nur für die Clubs.

Es liegt etwas Tribales in dieser musikalischen Einfachheit, die von einer brillanten Produktion (verantwortlich: vor allem Stuart Price) konterkariert wird. Die Songs pumpen, als würden Blondie brutal durchs House gepeitscht. Madonna verschmilzt klassischen Wave- und Eurodisco mit Deep House und schönen Melodien, sie drückt mit voller Kraft zurück nach vorn. Und das alles in einem Rutsch, als DJ-Mix. Ein Star on 45, Musik nonstop. Madonna definiert die Disco wieder als Tanzpalast, in dem die Zeit stillsteht durch die Bewegung der Körper, in dem man ewig jung bleibt, solange der Beat und der Tanz nicht aufhören.

Dieses Album ist ein Versprechen. Es sagt: Wir werden niemals alt. Und Madonna verspricht sich das zugleich selbst. Denn sie hat Angst. Warum, steht in ihrem Pass.
Matthias Wagner

01.12.2005


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