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James Gunn // Story

James Gunn
Foto: Kochmedia

Gott des Gemetzels

In der Heldensatire „Super“ schlägt eine rohe Ellen Page Gangster zu Brei. Kritiker halten das für banal – Regisseur James Gunn aber versteht seinen Film als göttliche Mission.

Interview: Mark Heywinkel

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uMag: James, dein neuer Film wird ständig mit "Kick-Ass" verglichen, weil da auch Normalos im Heldenkostüm auf Verbrecherjagd gehen. Was macht "Super" anders, außer dass darin die tolle Ellen Page rumrüpeln darf?
James Gunn: Es gab eine Menge Superheldenfilme in letzter Zeit, auch satirische, stimmt schon. Aber "Super" ist eigentlich gar kein Superherldenfilm. Dass sich Frank und Libby ein Kostüm anziehen und gemeinsam Leute vermöbeln gehen, die sie für Verbrecher halten, ist eher zweitrangig. Es geht viel mehr um die Beziehung zwischen Frank und seiner Freundin, die er aus den Fängen eines Drogenbosses befreien will. Es geht in "Super" also um Charaktere.

uMag: Und die sind reichlich abgefahren. Libby will den halben Film lang den trotteligen Frank flachlegen, tänzelt im Catsuite herum und bricht in grausiges Gelächter aus, wenn sie Kleinkriminelle mit dem Auto plattfahren darf. Noch unheimlicher ist, dass du für Franks Charakter selbst hergehalten hast ...
Gunn: Stimmt, die religiösen Visionen, die Frank heimsuchen, habe ich selbst mein ganzes Leben über gehabt. Die Schlüsselszene, in der Frank vom Finger Gottes berührt wird und den Helden in sich entdeckt, basiert auf einem eigenen Erlebnis. Bei mir war es nicht ganz so krass wie bei Frank mit den ganzen Tentakeln, die an ihm rumfummeln. Aber im Kern habe ich das alles selbst erlebt.

uMag: Und welche Superkraft hat Gott dir verliehen?
Gunn: Es war weniger eine Superkraft. Ich hatte eher das Gefühl, dass er einen Wandel in meinem Leben herbeigeführt hat. Dieser Moment hat alles in eine andere Bahn gelenkt, die ich noch nicht nachvollziehen kann.

uMag: Welche Superkraft hättest du denn gern gehabt?
Gunn: Ich hätte mich nicht entscheiden können, welche Kraft die beste ist. Superman kann alles machen, also wäre ich wohl am liebsten er.
uMag: Was würdest du mit dessen Fähigkeiten anstellen?
Gunn: Ich würde mich dafür ganz sicher nicht in ein Kostüm zwängen. Aber wenn ich all diese Kräfte hätte, würde ich selbstverständlich durch die Gegend fliegen und Menschen retten.

uMag: Hättest du nicht Angst davor, dabei wie Frank zum zweifelhaften Selbstjustizieur zu werden? In seinem Eifer übersieht er manchmal, dass er Unschuldige mit einem Ziegelstein niederschlägt.
Gunn: Frank weiß ja gar nicht, dass er etwas Unmoralisches tut, wenn er vermeintlichen Gangstern auf der Straße den Schädel zertrümmert. Er zweifelt zwar ab und an daran, das Richtige zu tun, aber die meiste Zeit ist für ihn alles okay. Das macht es bedeutend einfacher.

uMag: Klingt so, als würdest du Moral keine besonders wichtige Rolle in unserem Leben zugestehen.
Gunn: Moral ist ein wichtiger Teil des Menschen, sie steckt in unserer DNA, wir können sie gar nicht abschütteln. Sie hat uns hierhergebracht, und sofern wir nicht vorher den Planeten zerstören, wird sie uns auch noch ein paar Jahrhunderte mehr überleben lassen. Aber es gibt Ausnahmen wie Frank. Und deshalb brauchen wir in gewisser Weise Moralsysteme wie das der Kirche, das uns Brüderlichkeit und solche Dinge einbleut.

uMag: Bist du eigentlich Christ?
Gunn: Nee, ich glaube nicht daran, dass ein Typ namens Jesus gestorben und anschließend von den Toten auferstanden ist. Das kaufe ich den Christen einfach nicht ab.

22.12.2011


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