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Ryan Gosling // Story

Ryan Gosling
Foto: Universum Film

Coole Socke

Ryan Gosling wird schon bald das amerikanische Kino prägen – der junge Kanadier überzeugt mit Lässigkeit und Leistung. Aber warum denkt er dann schon ans Aufhören?

Interview: Paul Sheehan

Gefunden in

uMag: Ryan, du bist gerade in George Clooneys "The Ides of March - Tage des Verrats" zu sehen. Clooney hat den Ruf, seinen Kollegen gerne Streiche zu spielen ...
Ryan Gosling: Das stimmt. Mehr als einmal kam er kurz vor einer Aufnahme zu mir, um mir Regieanweisungen zu geben. Was ich dabei nicht mitbekam, war, dass er mich einmal heimlich mit einer Wasserflasche nass spritzte. Ich musste die Szene dann mit feuchter Hose spielen.

uMag: Ich habe gelesen, dein erstes Idol sei Sylvester Stallone gewesen. Stimmt das etwa?
Gosling: Als ich klein war, habe ich immer dieselben Filme geguckt, "Rambo" oder "Rocky", immer und immer wieder. Ich habe das einfach geliebt.

uMag: Du warst wirklich Stallone-Fan?
Gosling: Ach komm, wer war das nicht? Der war so taff, hat immer für sich selbst geradegestanden. Welcher Junge träumt nicht davon, die ganzen Schurken verprügeln zu können? Ich musste das natürlich in der Schule ausprobieren - und habe kräftig Ärger bekommen ...

uMag: Du warst du für deine Eltern also eine schöne Handvoll Arbeit ...
Gosling: Sie hatten auf jeden Fall eine Menge zu tun. Ich glaube, deswegen waren sie auch so dankbar, als ich anfing, meine ganze Energie ins Schauspielen zu leiten.

uMag: In "Drive" spielst du einen Stuntman und Bankräuberchaffeur, der hinterm Steuer eines Wagens geboren zu sein scheint. Das hat sicher eine Menge Spaß gemacht.
Gosling: Mehr als das! Was meinst du, wie glücklich ich bin, einen Job zu haben, wo ich lernen kann, so geile Sportwagen zu fahren?!

uMag: Dafür ist deine Figur Driver, höflich formuliert, extrem wortkarg ...
Gosling: Nach "Blue Valentine" war das eine willkommene Abwechslung, da haben wir haufenweise rumimprovisiert. Und in "The Ides of March" ging’s hauptsächlich darum, genau das zu sagen, was im Drehbuch stand. Diesmal haben wir die meisten Unterhaltungen rausgenommen. Driver sagt ne Menge mit den Augen, das war eine echte Herausforderung für mich.

uMag: Warum?
Gosling: Der Instinkt als Schauspieler sagt dir, die Geschichte zu erzählen. In diesem Fall musste ich Nicolas Winding Refn, dem Regisseur, vertrauen, dass er das im Schnittraum nachholt.

uMag: Du hast dir vertraglich zusichern lassen, dass du den Regisseur aussuchen kannst. Warum der Däne Refn?
Gosling: Ich bin ein großer Fan seiner Film, besonders von "Bronson" und "Valhalla Rising" mit Mads Mikkelsen. Nicolas bringt eine ungeheure Intensität in seine Filme, und das wollte ich hier auch haben: diesen Adrenalinschub.

uMag: Hast du ihn bekommen?
Gosling: Und wie! Wir hatten von Anfang an eine starke Verbindung, haben tagsüber gedreht, uns nachts das Material angeschaut und sind stundenlang rumgefahren, die Musik bis zum Anschlag aufgedreht, um uns für den nächsten Drehtag in Stimmung zu bringen.

uMag: Gib’s zu: Du wolltest nur mal ordentlich gegen Geld rumheizen!
Gosling: Ich wünschte, die hätten mich noch mehr selber machen lassen! Dafür habe ich mein Filmauto auseinander- und wieder zusammengebaut, um die Mechanik dahinter zu verstehen.

uMag: Du werkelst gerne rum?
Gosling: Ja. Für "Wie ein einziger Tag" musste ich Schreinern lernen. Ich fand das sehr entspannend und belohnend, etwas vor sich zu haben, das man selber geschaffen hat.

uMag: Und du spielst auch noch Klavier, Gitarre und Bass.
Gosling: Mein Kumpel Zach Shields und ich bilden die Indierockband Dead Man's Bones. Die ist aus unserer Lust am Erzählen von Geistergeschichten entstanden - und jetzt treten wir in Konzerten mit ganzen Kinderchören auf.

uMag: Singst du dann auch gleich mit?
Gosling: Hab’ ich gemacht, als ich mit zwölf im "Mickey Mouse Club" aufgetreten bin. Aber gegen Justin Timberlake und Christina Aguilera hatte ich keine Chance. (lacht)

uMag: Du hast als Kind viel Familienfernsehen gemacht. Wie ist das, seit der Jugend berühmt zu sein?
Gosling: Das hat sich über die Jahre verändert. Als ich anfing, haben mich nur andere Kinder im Einkaufszentrum erkannt. Jetzt ist es total surreal, dass es so viele Leute gibt, die dich fotografieren, ohne dass du das mitkriegst. Ich habe mich immer noch nicht daran gewöhnt, ein Foto von mir in der Zeitung zu sehen, auf dem ich einfach nur die Straße entlang gehe.

uMag: Dann warst du auch sicher überrascht davon, dass du auf YouTube gelandet bist, nachdem du letztes Jahr auf dem Heimweg vom Sport in New York eine Schlägerei unterbunden hast.
Gosling: Ja, das war was! Ich habe versucht zu helfen - und plötzlich war nur noch wichtig, was ich so an Klamotten im Fitnessstudio trage! (lacht)

uMag: Stimmt es eigentlich, dass du dir auch vorstellen kannst, mit der Filmerei aufzuhören?
Gosling: Ich genieße die Schauspielerei zurzeit mehr als jemals zuvor. Aber ich weiß nicht, ob ich genug Durchhaltevermögen habe, das bis ans Ende meiner Tage zu machen, wie es andere Schauspieler tun. Der Job reißt doch immer ziemlich große Stücke aus dir raus. Ich weiß nur, dass ich immer auf die eine oder andere Art kreativ sein will.

22.12.2011


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