Sharon Van Etten // Story
Schöne Panikattacken
Interview: Kathrin Kaufmann
uMag: Sharon, dein Albumtitel "Tramp" bedeutet sowohl Schlampe als auch Wanderung und Landstreicher. Worauf beziehst du dich?
Sharon Van Etten: Die Mehrfachbedeutung ist der Grund, warum ich den Titel gewählt habe. Vergangenes Jahr war ich nur auf Achse und hatte keine feste Bleibe. Ich war insgesamt sieben Monate auf Tour und konnte mir keine Wohnung in New York leisten. Der Titel bezieht sich darauf. Aber ich wollte auch, dass die Leute sich fragen, ob die Schlampe damit gemeint sei. Der Begriff ist auf Frauen angewendet immer noch negativ besetzt. Außerdem bin ich in den Augen mancher Leute sicher eine Schlampe.
uMag: Warum das denn?
Van Etten: Ich spreche sehr offen über das Thema Liebe, und wenn ich dann auch noch Namen als Songtitel verwende - auch wenn es gar nicht die Namen meiner Liebhaber sind -, kann das schon vorkommen.
uMag: Ich frage mich, wie du ohne feste Bleibe die Ruhe gefunden hast, ein Album aufzunehmen.
Van Etten: Das Studio von Aaron Dessner von The National, der mich bei den Aufnahmen unterstützt hat, war mein Zuhause. Dort habe ich meinen Frieden gefunden.
uMag: Deinen Texten nach suchst du nach der Stabilität einer Beziehung, hast aber auch ziemliche Angst davor.
Van Etten: Das liegt an den Erfahrungen, die ich gemacht habe. Mir ist einmal so richtig das Herz gebrochen worden, und seither bin ich vorsichtig.
uMag: Ist das Songschreiben eine Therapie für dich?
Van Etten: Auf jeden Fall. Immer, wenn ich eine starke Emotion empfinde, schreibe ich meinen Bewusstseinstrom auf. Danach picke ich mir die Zeilen heraus, die mich ansprechen. Ich analysiere mich genau und versuche, mit dem Song genau das Gefühl zu treffen, das ich empfunden habe.
uMag: Schreibst du auch über glückliche Momente?
Van Etten: Für mich ist der Song "We are fine" ein glücklicher Song. Darin habe ich eine Panikattacke, und ein Freund beruhigt mich. Das ist schön!
22.12.2011







