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Christina Perri // Story

Christina Perri
Foto: Lani Lee

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Privates vermeiden die meisten US-Stars im Interview gern. Newcomer Christina Perri aber taut erst richtig auf, wenn es um sie geht. Oder um Vampire.

Von Katharina Behrendsen

Gefunden in

"Awesome", überwältigend: So läuft es gerade für die 25-jährige Christina Perri. Deswegen sagt sie es oft, mit einer Mischung aus Stolz und Unglauben. Denn als sie vor vier Jahren in ihrem Zimmer in Los Angeles saß und ihren Hit "Jar of Hearts" schrieb, war sie Kellnerin, die Familie weit weg in Pennsylvania, und Perri hatte sich mit einer Blitzheirat und -scheidung sowie einem abgebrochenen Studium nicht gerade in eine Pole Position gebracht.

"Ich bin verrückt!", lacht sie und entblößt dabei eine Reihe unterer Schneidezähne, die sehr unamerikanisch aus der Reihe tanzen - während das obere Pendant perfekt ist, genau wie ihre großen Rehaugen und der zierliche, sexy Körperbau. Ihr schiefer Unterkiefer will jedenfalls ebensowenig zu ihr passen wie die flächendeckenden Tattoos. Ein bisschen verrückt muss diese Christina Perri aber schon sein; immerhin ist sie gerade dabei, der nächste US-Popsuperstar zu werden. Die Fakten zu ihrem Debütalbum "Lovestrong" leiert sie höflich herunter, als ob es nichts Langweiligeres auf der Welt gäbe, als über die eigene Musik zu sprechen. Eine Reise sei das Album, erklärt sie. Ins Innere. Sehr persönlich, emotional, tiefgehend - und ja, auch traurig. Starke Worte passend zu einem starken Album. Aber eigentlich auch ein Schlusswort für jedes Interview. Alles ist gesagt. Nach bloß fünf Minuten.

Und dann? Dann passiert das, was Christina Perri vermutlich auch außerhalb der USA zum Star machen wird. Sie fängt an zu erzählen, was sie eigentlich erzählen will. Die Pflicht ist getan, nun kommt die Kür, und die hat es bei der Songwriterin durchaus in sich. "Jetzt ist es eh zu spät, um nicht mehr offenherzig zu sein", beschließt sie - und meint damit, dass ihr Album ohnehin jede Menge Persönliches preisgibt. "Aber das ist es auch, was mich mit den Menschen verbindet", sagt Perri. "Jeder hat doch irgendwie sein Ding - und meins ist vielleicht meine Ehrlichkeit, meine Verletztlichkeit. So bin ich immer durchs Leben gegangen."

Gut hat ihr das nicht immer getan. Immerhin inspirierte sie die Achterbahnfahrt zu zahlreichen Liedern - zum Beispiel zum "Sad Song", in dem sie sich fragt, was ihre Eltern wohl sagen würden, wenn sie wüssten, dass sie jeden Tag weint, dass sie viel zu oft einsam ist, sich unreif fühlt. Ihr Album sieht Perri als Rundumschlag, als Verarbeitung der letzten zehn Jahre. Das alles aufzuschreiben und aufzunehmen, sei keine einfache Sache gewesen. "Ich habe alles noch mal durchgemacht, habe jeden Tag geheult und Mengen von Milchshakes in mich hineingeschüttet. Und in den drei Monaten, die zwischen den Aufnahmen und dem Erscheinen des Albums lagen, war ich wahnsinnig emotional, geradezu instabil." Als das Werk endlich erschien, war Perri erleichtert. Heute mag sie die Songs auch wieder singen, die Türen zur Vergangenheit sind geschlossen. Und es tun sich so viele neue auf, dass Perri kaum weiß, durch welche sie zuerst gehen soll.

Doch als man sie fragte, ob sie einen Song für den neuesten "Twilight"-Soundtrack beisteuern möchte, musste sie nicht lang überlegen. Nachmittags schaute sie den Film, abends war "A thousand Years" fertig, bingo. Der romantischste Song, den sie je geschrieben hätte, sagt sie - und der einzige, der nicht von ihr selbst handele. Doch Ausnahmen bestätigen bei Christina Perri bloß die Regel, und irgendwie ist sie der Vampirromanze auch auf einer tieferen Ebene verbunden. "Als ich meine Scheidung durchmachte, war die Realität manchmal ein bisschen zu verrückt für mich", sagt sie. Die "Twilight"-Bücher und -Filme waren für diesen "Fan der Liebe" (Perri über Perri) eine willkommene Ablenkung. Die Figuren wurden der Club, in dem sie gern gewesen wäre.

"Und jetzt bin ich drin!", sagt sie strahlend. Und hat diesem neuen Bund fürs Leben gleich ein Zeichen im Perri-Stil gesetzt. Es ist, natürlich, ein Tattoo.

Lovestrong ist am 27. Januar erschienen

26.01.2012

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