Peter Heppner // Story
Ganz oder gar nicht
Interview: Franz X. A. Zipperer
kulturnews: Peter, wie entscheidest du, dass die Zeit reif für eine neue Platte ist?
Peter Heppner: Reden wir da nicht über eins der größten Mysterien der Musik oder überhaupt der Kunst ...? Den genauen Zeitpunkt kann ich nicht planen, denn ich bin einer, der muss von der Muse geküsst werden, bevor er loslegt. Es muss sich etwas anstauen. Musik und Texte, die drängen und rauswollen.
kulturnews: Ist von Beginn der Arbeit an neuen Stücken klar, dass es eine Soloplatte wird? Du machst ja auch jede Menge andere Projekte.
Heppner: Nein, keinesfalls. Ich habe mich mit dem Keyboarder Lothar Manteuffel zusammengesetzt und Kompositionsskizzen entwickelt. Ergebnisoffen. Nach mehreren Sessions war aber klar: Was wir machen, klingt sehr nach Peter Heppner - und die Entscheidung war gefallen.
kulturnews: Wie entstehen dann aus diesen Klangskizzen fertige Stücke?
Heppner: Zunächst mal reiße ich alles an mich. Ich lasse mir bei einer Peter-Heppner-Platte in die Gesänge nicht reinreden. Also war klar, ich mache die Gesangsmelodien und die Texte komplett.
kulturnews: Klingt so, als mutierst du im Moment der Entscheidung für ein Soloalbum zum kreativen Diktator ...
Heppner: Ich bin ein absoluter Diktator, was eigene künstlerische Sache angeht! Wenn ich eine Sache nicht hundertprozentig machen kann, dann mache ich sie lieber gar nicht. Ich muss meinen ganz persönlichen Weg gehen, sonst kann ich nicht dahinter stehen. Ansonsten können wir alles machen - aber keine Peter-Heppner-Platte.
kulturnews: Endet das dann für die Musiker in kreativer Knechtschaft?
Heppner: Der Rahmen ist klar gesteckt, aber natürlich ist für die Musiker noch Bewegung möglich. Am Instrument sind sie einfach Koryphäen, die genau wissen, was meine Liedern gut tut.
kulturnews: Auf all deinen Platten gibt es sowohl deutsche als auch englische Texte. Woher weißt du, in welcher Sprache das Stück nach dem Text ruft?
Heppner: Eine Frage, die ich noch immer nicht beantworten kann. Wenn die gemeinsam erarbeiteten Demos fertig sind, habe ich ein Stück Musik. Beim Anhören dieser Musik entwickelt sich ein bestimmtes sprachliches Gefühl, ein deutsches oder englisches. Dem muss ich folgen. Deutsch ist zudem eine sehr schwierige Sprache. Die ist in der Dichtung schon sehr schwer, in der Musik noch schwerer. Wenn ich es selber nicht schön öfter gemacht hätte und nicht auch einige gute Beispiele kennen würde, würde ich sagen: Das ist schlichtweg unmöglich. Auf Englisch ist es auch deshalb sehr viel einfacher zu dichten, weil die Sprache so viele kurze Worte hat.
kulturnews: Das Bonusstück auf der Platte ist ein Sportlied, "Alles klar! - Lied für Wettkämpfe". Schielst du danach, als Untermalung von Sportsendungen gewählt zu werden? Da steht ja einiges ins Haus: Fußball-EM, Olympische Spiele ...
Heppner: Das ist gar nicht so abwegig. Wann sollte man den eine Sporthymne machen, wenn nicht 2012 ...? Aber das musste ein Stück werden, das man nicht erst ab 2,0 Promille gut finden kann - und eins, das im Zusammenspiel mit den anderen Stücken schlüssig ist.
kulturnews: Der Albumtitel "My Heart of Stone" kommt kühl und kalt daher und verursacht fast ein wenig Gänsehaut.
Heppner: Den Titel möchte ich als Frage verstanden wissen. Es gibt viele Menschen, die denken, je älter man wird, je erwachsener man wird, desto mehr verhärtet das Herz. Ich finde das nicht - und habe deshalb vielleicht noch ein wenig mehr Wärme in meine Stücke gepackt.
"My Heart of Stone" erscheint Mitte April.
29.03.2012







