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Timo Vuorensola // Story

Timo Vuorensola
Foto: Polyband Medien

Kauf dir ne Community!

Timo Vuorensola hat mit dem Geld seiner Fans einen Film gedreht. Diesem Crowdfunding gehört die Zukunft, sagt der Finne – zumindest, wenn man die Spender behandelt wie ein Diktator.

Interview: Volker Sievert

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uMag: Timo, für "Iron Sky" hast du 750 000 Euro des 7,5 Millionen Euro Budgets durch Crowdfunding zusammengetragen: Fans haben Geld in den Film investiert. Wie sehr taugt diese Schwarmfinanzierung als alternative Mittelbeschaffung für Filmemacher?
Timo Vuorensola: So lange es Zuschauer gibt, wird es die Möglichkeit von Crowdfunding geben. Crowdinvestment wird sich in den nächsten Jahren zu einem festen Bestandteil der Finanzierung von Independentkino entwickeln.

uMag: Crowdfunding funktioniert mit einer umfassenden Fanbasis und Internetcommunity, die ein bestimmtes Thema liebt und daher bereit ist, sich finanziell zu engagieren. Klappt also gut bei "Star Trek", Fantasy oder Kultserien. Wie aber nutzt ein Coming-of-Age-Indiedrama mit unbekannten Darstellern die Vorteile des Crowdfunding?
Vuorensola: Das hängt davon ab, wie gut du den Zuschauern deinen Film verkaufst. Für mich beinhaltet das Jobprofil eines Filmregisseurs in Zukunft auch die Fähigkeiten eines Verkäufers. Dabei geht es weniger darum, was du verkaufst, als wie du es verkaufst und an wen. Und obwohl man gerade "Iron Sky" leicht als sexy und cool verkaufen konnte, könnte man das mit einem Indiedrama genauso tun. Tatsächlich wurden ein paar der bisher größten Crowdfundinganstrengungen nicht im Science-Fiction-, sondern im Indiebereich unternommen. Man muss sein Publikum und seinen Film kennen, das Merkmal finden, das ihn einmalig macht und das gegenüber den Zuschauern rüberbringen. Wenn dir das gelingt, kannst du alles schwarmfinanzieren.

uMag: Du hast die Community bei "Iron Sky" aktiv in den Entstehungsprozess eingebunden, ihnen via Netz detaillierte Fragen zur Handlung oder zum Design der Nazi-Ufos gestellt. Warum hast du dir solche Sachen nicht einfach selber ausgedacht? Schließlich bist du der Regisseur ...
Vuorensola: Als Regisseur fallen einem selten die Details ein, dafür hat man ja seine Crew. Der Job ist, die Fäden in der Hand zu halten, die Zuarbeiter sorgen für den Rest: Bühnenbildner bauen das Bühnenbild, Kostümdesigner entwerfen die Kostüme und so weiter. Als Regisseur fragt man die um Hilfe, die sich mit den spezifischen Details besser auskennen. Ob diese Unterstützung von der Crew oder der Community kommt, ist irrelevant, so lange das Resultat überzeugt.

uMag: Wie viele Ideen der Community haben es in den fertigen Film geschafft? Und hast du wirklich keine nur deshalb genommen, weil ein Fan einen besonders fetten Batzen Geld in das Projekt investiert hatte?
Vuorensola: Alle Szenen des Films sind mit Einbindung der Community entstanden, manchmal ist es nur eine Kleinigkeit, mal was Großes. Ich nehme aber nie etwas in meine Filme auf, weil mir jemand viel Geld verspricht. Das ist die Regel Nummer eins. Das ist keine Demokratie und auch kein Kapitalismus, es ist eine reine Diktatur. Ich entscheide, was auf der Leinwand zu sehen ist, und keine Geldsumme kann das beeinflussen. Die Community versteht das. Ich habe einige Male viel Geld abgelehnt, weil an die Spende eine Bedingung gebunden war, so was wie: Ich investiere, also komme ich auch im Film vor.

uMag: Trotzdem: Hunderte von Leuten mit unterschiedlichen Meinungen am Prozess des Filmemachens zu beteiligen - das muss doch die Vision eines Regisseurs trüben. Wie klar war deine Sicht bei den Dreharbeiten?
Vuorensola: Das ist beim Film immer die Gefahr, ob eine Community involviert ist oder nicht. Jeder hat eine Meinung, und jeder ist ein Experte. Der Regisseur muss seine Vorstellung beibehalten und dem folgen, was er für richtig hält. Und dabei ist es egal, wie viele unterschiedliche Ansichten es gibt - du weißt entweder, was richtig ist oder nicht.

uMag: Gibt es dann überhaupt so etwas wie demokratisches Filmemachen?
Vuorensola: Nein. Ich habe ein paar Leute gesehen, die das versucht haben. Aber es endete immer in einem riesigen Durcheinander, und nichts kam voran.

uMag: Dein erster Film "Star Wrek" war ein Open-Source-Projekt, das du umsonst ins Web gestellt hast. Ich nehme an, du stehst daher hinter Netzaktivisten, die alles transparent für jeden und umsonst haben wollen, gerne auch den Download von Kinofilmen ...
Vuorensola: Steile Hypothese, ich muss schon sagen. Wir haben "Star Wrek" umsonst im Internet veröffentlicht, aber mit dem Prinzip des Open Source hatte das nichts zu tun. Wir haben diesen Vertriebsweg gewählt, weil wir das Gefühl hatten, dass er für diesen Film besser funktioniert. Nein, nicht alles muss transparent und umsonst sein. Aber ich glaube, dass die Filmbranche sich den Gewohnheiten der Konsumenten in der Welt von heute anpassen sollte, anstatt ihnen Regeln von gestern reinzuwürgen und ihnen mit Prozessen und ähnlichem Unfug zu drohen. Zeiten ändern sich - und die Filmindustrie muss sich mitändern.

uMag: Was an der Internetcommunity ist für Filmemacher ein Fluch und was ist ein Segen?
Vuorensola: Die Community ist ein Fluch, wenn man ihre Gesetze und ihre Physik nicht versteht. Wenn man das aber tut, ist sie eine gewaltige Chance und ein Funken Hoffnung, besonders für unabhängige Filmemacher.

29.03.2012


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