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Miike Snow // Story

Miike Snow
Foto: Ed Miles

Last Exit Musikantenstadl

Elektropop kann niemand besser als das Schwedentrio Miike Snow. Doch mit ihrer Deutschtümelei sind sie jetzt eindeutig zu weit gegangen.

Von Carsten Schrader

Gefunden in

Fast schon unverschämt, diese Lache. "Ich hab mir schon gedacht, dass ihr damit in Deutschland so eure Probleme haben werdet", bringt Christian Karlsson gerade noch raus, schon wiehert er wieder los. Grund für die überbordende Heiterkeit des schwedischen Produzenten und Musikers ist der Song "Bavarian #1" vom neuen Miike-Snow-Album, bei dem das Trio mal eben eine bayerische Blaskapelle auffährt. "Wir sind immer an durchgeknallter Folkmusik interessiert, die wir sampeln können", rechtfertigt er sich, nachdem er sich wieder einigermaßen beruhigt hat, "aber das war einfach zu gut, um nicht mehr daraus zu machen."

Aber soll er ruhig lachen, denn vermutlich lag es gerade an der zügellosen Unbekümmertheit, dass ihnen mit "Happy to you" ein so großartiges Album gelungen ist. Immerhin hatten sie einen Nachfolger für das ungemein erfolgreiche Debüt mit Hits wie "Animal" oder "A Horse is not a Home" abzuliefern, und es kommt ja bei mehr als nur jeder zweiten Band vor, dass sie nach dem Anfangsrausch am verflixten zweiten Album scheitert. "Vielleicht war unser Vorteil, dass der Erfolg ein Unfall war", überlegt Karlsson. "Wir haben einfach ein bisschen zusammen rumgespielt und hätten nie gedacht, dass daraus ein Album, geschweige denn eine richtige Band wird. Insofern fühlt es sich jetzt so an, als hätten wir gerade unsere erste Platte aufgenommen."

Die Drinnies sollten plötzlich auf den Festivalbühnen spielen. Vor Miike Snow wirbelte Karlsson gemeinsam mit seinem Kollegen Pontus Winnberg als das international erfolgreiche Produzentenduo Bloodshy & Avant, und auch ihr amerikanischer Sänger Andrew Wyatt war in erster Linie ein Songschreiber für andere. Dann kamen der Durchbruch für Miike Snow und mehr als 300 Shows in 18 Monaten. "Wir waren es gewohnt, jeden Tag mehr als zehn Stunden im Studio rumzufrickeln, und plötzlich mussten wir mit schweren Gerätschaften durch die Gegend fahren und gemeinsam in einem Van übernachten", sagt Karlsson und er muss selbst schmunzeln, weil der schrullige Studionerd in ihm wieder zum Vorschein kommt. "Ich war so ausgehungert und konnte es nicht mehr erwarten, in meine comfort zone zurückzukehren. Andererseits hatten wir so viele Ideen, auf die wir ohne die Konzerte niemals gekommen wären."

Und die Drei haben alles ausprobiert, nur nicht das Offensichtliche. Wenn sie mit dem Debüt ihre eigene kleine Elektropopwelt erschaffen haben, dann ignorieren sie auf "Happy to you" jetzt die Mitte dieser Welt, um sich ganz weit in die Grenzbereiche zu begeben, noch viel mehr Dance zu sein als bisher und sich aber gleichzeitig auf der Folkschiene bis hin zum bayerischen Blasorchester zu wagen. Eine Nummer-sicher-Platte wäre niemals in Frage gekommen, nicht zuletzt weil Karlsson gelangweilt bis genervt ist, was gerade in der Musikszene abgeht. "Natürlich gibt es im Indie und in der Clubszene immer wieder spannende Ausreißer, aber prinzipiell klingt momentan fast alles gleich. Gerade wenn ich in die Charts schaue, dann sehe ich da HipHopper, die mit Dance spielen, und daneben hat man R’n’B-Leute, die exakt die gleichen Beats verwenden", stöhnt Karlsson. Und generelle Mainstreammöppelei kann man ihm nun wirklich nicht vorwerfen, schließlich hat er mit Bloodshy & Avant auch schon "Toxic" für Britney Spears produziert oder mit Leuten wie Madonna und Kelis gearbeitet.

Wobei Miike Snow auch die aktuellen Indiestandards auf "Happy to you" nicht bedienen. Lieber kramen sie Breakbeats wieder raus und zitieren die frühen 90er, lieber aktivieren sie Bläser und Streicher und bauen ihre eigenen Instrumente. Und mit der Single "Paddling out" hat Karlsson sich einen Song gebastelt, auf den er schon seit vielen Jahren vergeblich wartet. "Ich wollte endlich mal wieder eine richtig coole Disconummer, und die Klaviermelodie ist natürlich ziemlich stark bei Abba abgeschaut." Moment: Abba? "Klar, eines unserer drei Studios ist ja sogar das alte Abba-Studio", erklärt er zunächst mit leichter Verunsicherung, findet dann aber schnell seine alte, fast schon unverschämte Lache wieder. "Ach, wir in Schweden haben uns ganz gut mit Abba ausgesöhnt, jetzt kommt ihr doch auch mal mit den Blaskapellen klar", wiehert er. Und wäre "Happy to you" nicht so ein verdammt gutes Album - man würde Miike Snow fast eine Einladung in den Musikantenstadl gönnen.

29.03.2012


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