Ray Cokes // Story
Starke Marke
Interview: Katja Schwemmers
kulturnews: Ray, hast du mit deiner MTV-Vergangenheit mittlerweile Frieden geschlossen?
Ray Cokes: Ja, habe ich. Aber ich hatte eine bittere Phase. In England fing Chris Evans an, mich zu kopieren, er hat Millionen damit verdient. Stefan Raab tat das Gleiche in Deutschland. Das hat mich verbittert, aber das ist vorbei. Negative Energie verletzt in erster Linie nur dich selber, und ich bin von Natur aus ein optimistischer Typ.
kulturnews: Es mag geholfen haben, dass sich MTV mit seinem Rückzug ins Bezahlfernsehen quasi selbst den Todesstoß gab.
Cokes: Es half, aber es hat mich auch traurig gemacht. Warum zerstören sie ihre einst so starke Marke? MTV war zu meiner Zeit innovativ und fast schon revolutionär. Und jetzt machen sie sogar das MTV-Gebäude in London platt, wo so viel Denkwürdiges passiert ist.
kulturnews: Das Konzept für "Ray’s Guesthouse" wurde da geboren, wo du 1996 für MTV deine letzte Sendung moderiert hast: auf der Reeperbahn in Hamburg!
Cokes: Das stimmt, beim letzten Reeperbahnfestival mussten sie jeden Abend 200 Leute wieder wegschicken, weil es sich zu so einem Erfolg gemausert hat. Wobei Konzept schon fast zu viel gesagt ist: Bei mir spielen bekannte Bands und vielversprechende Newcomer. Es gibt Talkrunden, auf der Bühne steht eine Bar, es gibt Alkohol und ein Livepublikum.
kulturnews: Und die Bands wählst du selber aus?
Cokes: Ich höre mir an die 300 Bands an, bevor sie bei mir spielen dürfen. Wenn es um die Frage der Glaubwürdigkeit in der Musik geht, gebe ich nie nach und lasse mich nicht kaufen. Die Plattenfirmen wollen nicht mit uns zusammenarbeiten, weil die Shows nicht im Fernsehen ausgestrahlt werden. Aber größere Bands wie die H-Blockx kommen trotzdem zu uns, weil sie das nicht kümmert.
kulturnews: Bist du denn jetzt ein Musikjournalist?
Cokes: Ach nein, das klingt zu ernsthaft. Ich bin ein Entertainer, ich will die Leute zum Lachen bringen. Trotzdem setze ich mich mit der Kunst meiner Gäste auseinander.
kulturnews: Deine Musikbegeisterung hat auch mit 54 nicht nachgelassen?
Cokes: Freunde in meinem Alter sagen oft: "Alles von heute ist Müll. Ich höre lieber Pink Floyd." Ich war früher Punk. Und ich gehe immer noch leidenschaftlich gern auf Konzerte und hüpfe dabei rum wie ein Teenie.
kulturnews präsentiert
Ray’s Guesthouse
21.05.2012 Frankfurt/Main, Gibson Club
22.05.2012 Köln, Alter Wartesaal
23.05.2012 Hamburg, Fabrik
24.05.2012 Berlin, Postbahnhof
25.05.2012 München, Freiheiz
26.04.2012







