Carsten-Stephan Graf von Bothmer // Story
Symphonie des Rausches
Interview: Katharina Behrendsen
kulturnews: Graf von Bothmer, mittlerweile haben Sie sich mit ihren Stummfilmkonzerten ein großes Publikum erspielt. Anfangs wurden ihre Bemühungen doch sicher mit Skepsis betrachtet, oder?
Carsten-Stephan Graf v. Bothmer: Auf jeden Fall. Das Problem ist, die Leute in den Saal zu bekommen. Wer erst mal drin ist, ist von Anfang an begeistert.
kulturnews: Ist das heute wirklich noch problematisch? Immerhin schaffen Sie es, auch große Locations wie zum Beispiel die Hamburg Musikhalle auszuverkaufen.
v. Bothmer: Viele kennen Stummfilme aus dem Fernsehen oder kommunalen Kinos, wo versucht wird, sie historisch aufzuführen. Aber das ist nicht das, was ich will. Ich will, dass die Leute weggeblasen werden von der Livemusik und vom Bilderrausch. Und: Der Stummfilm ist in vielerlei Hinsicht dem Tonfilm überlegen. Das erste Mal erlebt habe ich es als Jugendlicher bei "Rocky". Man sieht ihn trainieren, die ganze Szene ist ohne Originalton, und das hat eine unglaubliche Wirkung. Die Musik übernimmt, und man kommt vom künstlerischen Ausdruck her in Regionen, in die man sonst nicht kommt. Weil Ton immer etwas Äußerliches ist. Wenn im Tonfilm eine Figur leidet, leidet nur diese Figur. Wenn aber im Stummfilm jemand leidet, ist das eine Aussage über das Leid an sich. Es ist viel symbolischer.
kulturnews: Aber es ging für Sie nicht gleich von "Rocky" zum Stummfilm, oder?
v. Bothmer: Nein, gar nicht. Ich kannte Stummfilm überhaupt nicht. Ich wurde 1998 von einem Freund, der im Kinoclub der Humboldt-Universität war, gefragt, ob ich das mal machen würde. Das war der Film "Das neue Babylon", zu dem es Musik von Schostakowitsch gibt. Ich habe aber meine eigene geschrieben. Die Leute waren begeistert - und ich auch.
kulturnews: Komponieren Sie ihre Musik immer selbst?
v. Bothmer: Ja. Meistens gibt es auch keine Musik mehr oder gab auch nie eine. Und wenn es sie noch gibt, passt sie nicht mehr auf den Film, den wir heute haben, weil die Filme nicht mehr in dem Zustand sind, wie sie mal waren. Aber das ist nur ein technisches Problem. Denn dass man zu einem Film immer die gleich Musik spielen muss, ist ein Irrtum des Tonfilms.
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"Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens"
6. 5. Stuttgart
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15. 5. Düsseldorf
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18. 5. Bremen
19. 5. Köln
20. 5. Offenbach
26.04.2012







