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Marina And The Diamonds // Story

Marina And The Diamonds
Foto: WMG

Gar nicht Gaga

Marina Diamandis liebt große Auftritte, doch im Bett trägt sie keine Highheels. Ein Interview über Macken, Masken und das Spiel mit Identitäten.

Interview: Katharina Behrendsen

Gefunden in

kulturnews: Marina, du hast gerade dein zweites Album "Electra Heart" aufgenommen - und zugegeben, dass du dafür so ziemlich alles getan hast, was du nie tun wolltest. Wieso eigentlich?
Marina Diamandis: Ich denke, dass kommt einfach daher, dass ich ehrlich bin - und manchmal auch etwas vorschnell. Aber in dem Moment, wo ich etwas sage, meine ich das auch wirklich. Also habe ich auch mal gesagt - und gemeint! -, ich würde die Popkultur hassen, nie Teil davon sein und nie mit bestimmten Produzenten zusammenarbeiten wollen.

kulturnews: Während andere hart an einem kohärenten Image arbeiten, hast du geradezu Spaß daran, deines zu dekonstruieren. Willst du immerzu herausfordern?
Diamandis: Ja, ich denke, dass ich einen gewissen Spaß daran habe. Es ist aber auch etwas, dass ich nicht unterdrücken kann. Einen Song aufnehmen und dann nichts dazu sagen: Das kann ich einfach nicht.

kulturnews: Aber ist soviel Ambivalenz nicht gefährlich in der Popindustrie, in der es ja immer auch darum geht, einen Traum zu verkaufen?
Diamandis: Aber ich kann nicht lügen! Das würde nur irgendwann ans Licht kommen. Und außerdem fühle ich mich viel besser, wenn die Leute verstehen, was ich mache, wenn sie wissen, dass das alles nur Farbe und fake ist. Um so auszusehen wie heute, stehe ich morgens eine Stunde im Bad. Das mache ich an meinem freien Tag bestimmt nicht. Und das hat jetzt nichts mit gespaltener Persönlichkeit zu tun oder so. Ich will mich wohl fühlen können, wenn ich im Supermarkt ohne Make-up gesehen werde. Deswegen erkläre ich, was ich tue und warum. Eine Weile habe ich mich nämlich gar nicht wohl gefühlt und denke, das lag zum Teil auch an Leuten wie Lady Gaga, die erzählen, sie würden immer so rumlaufen und ihre Highheels auch noch im Bett tragen. So bin ich nun mal nicht - und ich kann vor allem auch den Sinn darin nicht erkennen.

kulturnews: Und wo ist der Sinn des Rollenspiels, das du für dein zweites Album veranstaltest? Du schlüpfst in die Rollen von vier Frauenarchetypen, die du Su-Barbie-A, Homewrecker, Teen Idle und The Primadonna nennst. Du hast dafür sogar deine schwarzen Haare blond gefärbt.
Diamandis: Die Musik selbst hat schon Form angenommen, bevor ich auf die Archetypen kam. Etwa die Hälfte der Songs war fertig, bevor ich mit dieser Idee herumzuexperimentieren begann. "Teen Idle" zum Beispiel habe ich davor geschrieben, "Primadonna" danach. Es hat sich als starkes Thema herauskristallisiert. Ich glaube, die Idee zum Spiel mit Identitäten kommt daher, dass ich mit jemandem sehr schlechte Erfahrungen gemacht habe, der obssessiv war, wenn es um die perfekte Erscheinung ging, um die absolute Fehlerfreiheit. So bin ich überhaupt nicht. Es geht darum, jemand zu sein, der man nicht ist, anstatt einfach zu sagen: Diese Person ist nicht die richtige für mich. Viele der Songs handeln vom eigenen Stolz und davon, sehr verletzt worden zu sein. Ich habe das Gefühl, auf diesem Album sehr viel persönlicher zu sein als auf dem ersten, wo es hauptsächlich um die Themen Kultur und Erfolg ging.

kulturnews: Brauchtest du die Masken, um dich dahinter zu verstecken?
Diamandis: Ich brauchte sie eher, um zum Thema Liebe ein großes Popalbum machen zu können, das nicht bloß macht, was tausend andere auch tun. Und ein Song wie "Starring Role" ist trotzdem ganz rundheraus das: Ein Song über die Liebe. Und zwar ein sehr persönlicher.

kulturnews: Wie ernst ist der Wunsch, "a real fake" zu werden, den du in "Teen Idles" besingst - also irgendwann wirklich die Person zu werden, die man erschaffen hat, wie Madonna oder Marylin?
Diamandis: Eigentlich ist es genau die Antithese zu dem, was ich sein will. Aber wahrscheinlich bin ich gerade deswegen so fasziniert von Künstlichkeit, weil sie mir eigentlich so fremd ist.«


"Electra Heart" erscheint am 4. Mai.

26.04.2012

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