// Künstlerportal: Norah Jones

Norah Jones // Story

Norah Jones
Foto: Frank W. Ockenfels

Mord(s)fantasie

Zehn Jahre nach ihrem Überalbum „Come away with me“ wird es Zeit für Norah Jones, sich vom Image der liebenswerten Schönheit zu verabschieden. Aber hätte sie gleich so weit gehen müssen …?

Interview: Steffen Rüth

Gefunden in

kulturnews: Norah, du hast es schon wieder getan: Zwei Jahre nachdem du auf "The Fall" die Trennung von deinem langjährigen Partner und Bassisten Lee Alexander thematisiert hast, handelt praktisch jede der zwölf Nummern deines fünften Albums erneut vom Zerfall einer Liebesbeziehung. Ist die Sache mit Lee immer noch nicht verarbeitet ...?
Jones: Doch, doch, Lee und ich, wir sind mittlerweile wieder wirklich gute Freunde. Da ist alles gut.

kulturnews: Demnach ...
Norah Jones: ... handelt es sich hier um eine andere Trennung ... Ja, was soll ich sagen? Das Leben passiert nun einmal. Hier also blicken wir auf die rauchenden Ruinen von Lees Nachfolger.

kulturnews: Darf man anhand deiner neuen Songtexte darauf schließen, dass du diesen jungen Mann aktuell nicht als wirklich guten Freund bezeichnen würdest?
Jones: Nun, Freunde sind wir nicht geworden oder geblieben. Wir haben Frieden. Oder sagen wir: Waffenstillstand.

kulturnews: "She’s 22" handelt davon, dass dein Partner sich eine Jüngere schnappt. "Miriam" aus dem gleichnamigem Lied schläft in deinem eigenen Bett mit deinem Freund und bezahlt diese Aktion am Ende mit ihrem Leben ...
Jones: Ja, speziell "Miriam" ist schon sehr wörtlich gemeint und auch persönlich. Ich würde jedoch niemals eine andere Frau töten - auch nicht, wenn sie mir den Mann wegnimmt. Und falls ich es doch vorhätte, würde ich jetzt nicht darüber singen, denn damit belaste ich mich ja selbst, und so blöd bin ich auch nicht ... Ich reichere meine Speisen an mit Fantasie, damit sie interessanter schmecken und die Leute sie auch brav aufessen.

kulturnews: Hilft Songschreiben, um mit einem Beziehungstrauma fertigzuwerden?
Jones: Sich Kummer von der Seele zu schreiben, fühlt sich gut an. Und mal ehrlich: Es war großartig, mir vorzustellen, die andere Frau umzubringen ... Man ist ja selber etwas geschockt über diese Hassanfälle, die man dann bekommt. Diese Emotionen machen Angst - und sind gleichzeitig total geil.

kulturnews: Das Stück "4 broken Hearts" legt nahe, dass ihr es beide mit der Treue nicht so genau genommen habt.
Jones: Ein Song ist ein Song. Das sind keine Tagebucheinträge. So interessant bin ich dann auch wieder nicht. Die Hörer sollen nicht bis ins kleinste Detail wissen, was echt ist und was ich mir ausgedacht habe.

kulturnews: Gehört es zum Konzept der Platte, dass die musikalisch hellsten Lieder, etwa "Happy Pills" oder "Say Goodbye", die düstersten Texte abbekommen haben?
Jones: Oh ja! Wären Musik und Text runterziehend, könnte man das ja keinem Menschen vorsetzen. Ich halte übrigens nichts davon, die Trennungsphase, die ja auch eine Zeit der Trauer ist, mit Pillen oder sonstigen Substanzen aufzulockern. Man muss da so durch, wie man ist. Erlaubt ist höchstens das eine oder andere alkoholische Getränk ...

kulturnews: Du hast das gesamte Album mit Danger Mouse geschrieben. Den kennt man von Gnarls Barkley. Kann man als Frau mit einem Mann vernünftig über Liebeskummer sprechen?
Jones: Mit Brian schon. Es macht ja auch Spaß, die Perspektive des Mannes zu betrachten und zu beleuchten. Wobei ich in Brian nicht so sehr den Mann, sondern den Freund gesehen habe. Ich habe mich ihm emotional sehr weit öffnen können.

kulturnews: Es sind schon zehn Jahre rum seit "Come away with me". Wie fühlt sich das an?
Jones: Wahnsinn, oder? Ich war damals 22 und hatte Bammel, was jetzt wohl mit meinem Leben geschehen würde. Ich war nicht das selbstbewussteste Mädchen der Welt, und auf vieles war ich nur schlecht vorbereitet. Heute sehe ich die Dinge gelassener. Trotzdem möchte ich das nicht alles noch mal erleben.

kulturnews: Adele hat mit ihrem Trennungsalbum "21" Triumphe gefeiert. Warum begeistert die Menschen dieses traurige Thema so?
Jones: Jeder von uns kann nachfühlen, was Enttäuschungen und Schmerzen sind. Das sind echte Gefühle, wenn auch Scheißgefühle. Ein Song, der nur vom Glücklichsein handelt, nervt dagegen -wie ein Pärchen, das auf einer Party die ganze Zeit nur am Knutschen ist.

Little broken Hearts ist seit Ende April erhältlich.

Tour
26. 5. Frankfurt
17. 7. Hamburg

26.04.2012

Weitere Storys


Zugabe

Werde Roadie beim Hurricane Festival!

style+

Der neue Style-Guide als PDF zum Durchblättern

kulturnews

Das Magazin als PDF zum Durchblättern

kulturnews // präsentiert



Tegan And Sara

Zugabe

Tickets für Joe Cockers Konzert in Mönchengladbach zu gewinnen!