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Jay Brannan // Story

Jay Brannan
Foto: Christine Merson

"Ich weiß, dass ich limitiert bin"

Keine Popminiaturen mehr: Der texanische Songwriter Jay Brannan wird vom Solokünstler zur One-Man-Band – und macht dabei eine erstaunlich gute Figur.

Interview: Stefan Woldach

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Sinnbildlich sein letztes Hemd herzuschenken gilt allgemein als grundsympathische Geste generöser Gutmenschen. Wenn ein Songwriter sein Album "Rob me blind" nennt und damit die Fans offensiv zum Textilklau auffordert, ist dies allerdings eine bisher nicht gekannte Steigerung. Der texanische Musiker und Schauspieler Jay Bramman mag solche Extreme; er selbst hat genügend durchlebt - so war er bereits als Teenager alkoholabhängig.

Längst ist Brannan trocken und setzt woanders Ausrufezeichen, zum Beispiel als Schauspieler in John Mitchells Drama "Shortbus", das 2006 in Cannes gefeiert wurde. Als Songwriter indes nimmt der 30-Jährige die eigenen dunklen Seiten unter die Lupe. "Als ich mit dem Trinken aufhörte und ins Leben zurückkehrte", sagt er, "hatte ich eine Menge Zeit für neue Dinge. Ich gab also ein paar hundert Dollar für eine Gitarre aus, um zu sehen, wohin mich die Musik bringen würde." Inzwischen bis zum vierten Album, ein überraschend vielschichtiges Werk. Seine biografischen Texte sind wie immer entwaffnend offen, doch diesmal ist die Musik der Star des Albums.

Bislang schrieb Brannan akustisch gefärbte, leise Lieder, die dezent mit Violine, Klavier und Perkussion koloriert waren, und sang dazu hauchzart melancholisch. Diesmal zeigt Brannan Mut zur Größe: Mit dem Produzenten David Kahne (Lana Del Rey, The Strokes) griff er in den musikalischen Farbkasten und akzeptierte sogar echte Drums. "Ich hatte irgendwie immer Schiss vor Trommeln", gesteht er, "aber David hat mir geholfen, mich auf einen neuen Sound einzulassen." Wer Brannans bienenfleißig gepostete Privatvideos regelmäßig verfolgt, hat auch seine verbesserten Fähigkeiten an der Gitarre mitgekriegt - eine Feststellung, die Brannan mit typischem Understatement belächelt. "Ich weiß bis heute kaum, wie die Saiten heißen und spiele einfach so herum", sagt er. "Ich weiß, dass ich limitiert bin. Aber immerhin hat das zu so etwas wie einem eigenen Stil geführt."

Brannan, der in seinen Videos und Liveshows immer hoch konzentriert, ernst und verschlossen wirkt, gibt sich im Gespräch unkompliziert und ungemein authentisch. "Ich lächle eben nur, wenn mir wirklich danach ist", stellt er klar. "Für mich liegen Traurigkeit und Humor nahe beinander und arbeiten im Tandem, um mich am Leben zu erhalten."

Scheint zu funktionieren.

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20. 5. Frankfurt/M., Nachtleben
21. 5. Köln, Stadtgarten
23. 5. Hamburg, Knust
24. 5. Berlin, Frannz Club
26. 5. München, 59:1

26.04.2012


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