The Cult // Story
"Ich bin kein Messias"
Interview: Franz X. A. Zipperer
kulturnews: Ian, fünf Jahre Funkstille - hast du dir in deiner kalifornischen Wahlheimat die Sonne auf den Bauch scheinen lassen?
Ian Astbury: Funkstille? Wieso Funkstille? Wir sind mit The Cult bis zur Erschöpfung auf Tournee gewesen. Ich habe an einem Film gearbeitet und mit James Lavelle and Tim Goldsworthy am TripRock-Projekt U.N.K.L.E. gearbeitet. Für die endgültige Produktion der jetzt vorliegenden Platte "Choice Of Weapon" war erst wieder ab letzen Juli Zeit. Erste Skizzen gab es aber schon seit 2009.
kulturnews: "Choice Of Weapon", die Wahl der Waffen. Um welche Waffen geht es?
Astbury: Bei The Cult natürlich um die der Worte und der dazu passenden Musik. Du kannst doch an der Realität der Welt nicht vorbeischauen, wenn du mit offenen Augen hindurch gehst. Unser Ökosystem geht den Bach runter und jeder ist sich selbst der Nächste.
kulturnews: ... und du weißt, wo es lang geht?
Astbury: Gott bewahre, nein! Ich bin doch kein Messias. Und ich bin auch kein Parteipolitiker. Aber mir stellen sich Fragen, und die gebe ich gern weiter. So soll jeder dazu angeregt werden, mal im Müllhaufen der vermeintlichen Tatsachen zu wühlen, die ihm täglich aufgetischt werden.
kulturnews: Demnach ist am Anfang stets das Wort?
Astbury: Überhaupt nicht. Es ist genau umgekehrt. An den Texten arbeite ich noch im Studio, zum Teil mitten in den Aufnahmen - und ziehe mir damit den Zorn aller Mitstreiter zu. Aber das kann ja auch nicht anders gehen. Die Musik muss die Texte transportieren, und deshalb muss ich doch auf Veränderungen im Aufnahmeprozess reagieren. Ein guter Text und gute Musik müssen untrennbar verbunden sein und gleichzeitig einzeln funktionieren.
kulturnews: Musikalisch habt ihr euch bei "Choice Of Weapon" weitaus mehr fordern lassen als bei den letzten Platten.
Astbury: Die Stücke haben unser Gründungsgitarrist Billy Duffy und ich geschrieben, dann wurden sie gemeinsam mit dem Schlagzeuger John Tempesta und dem Bassisten Chris Wyse ausformuliert. Und damit die Musik des neuen Albums auch mal in neues Fahrwasser kommt, frischer wird und uns selber einfach mitreißt, haben wir den Metallica- und Bush-Produzenten Bob Rock und den Queens-Of-The-Stone-Age-Produzenten Chris Goss hinzugezogen. Und die haben uns nicht einfach machen lassen, so wir das immer gemacht haben.
kulturnews: Was genau haben die gemacht?
Astbury: Alles gedreht und gewendet, bis jedem von uns klar war, warum eine Entscheidung in diese und nicht in die andere Richtung ging. So ist die bereits angesprochene Verbindung von Text und Musik auf eine ganz andere qualitative Ebene gehoben worden.
kulturnews: The Cult hat sich auch immer dadurch ausgezeichnet, dass es rund um eure Kunst eine eigene The-Cult-Welt gab. Wird es auch da etwas Neues geben?
Astbury: Unbedingt! Es gab seit zehn Jahren kein Cult-Video mehr, wir hatten dafür einfach kein Budget. Und irgend so eine Billigproduktion, nur damit etwas da ist, die wollten wir nie. Deshalb arbeite ich gerade an einem Film und an aufwendiger Grafik. Beides soll dem Album beigefügt werden. Und wenn dann noch Geld übrig ist, sollen sich diese grafischen Elemente auch im Bühnendesign für die anstehende Welttournee wiederfinden.
"Choice of Weapon" erscheint Mitte Mai.
26.04.2012







